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Home > Damals > 1976 nach Südeuropa  

Kennengelernt habe ich Chritine und Harald - ehemals aus Aschaffenburg - vor einigen Jahren auf einer Motorradmesse. In einer ruhigen Stunde erzählte mir Harald von seinen Erlebnissen auf und mit dem Motorrad.
Nachdem die Schmerzen der Lachmuskeln nachgelassen hatten, brauchte es einige Jahre, bis Harald endlich die Zeit fand, seine Erlebnisse auf zu schreiben. Einen Anfang gibt es hier.

Mittlerweile leben Christine und Harald in Summerland/Kanada und betreiben dort eine Motorradvermietung.
Wer also jemals nach Kanada will, sollte nicht versäumen, bei Christine und Harald vorbei zu schauen.
Ihr findet sie hier:

Christine Greser
Open Road Adventure Inc.
call us at 250-494-5409
visit our website: www.KanadaMotorradVermietung.de

1976 plante ich eine Reise in die suedl. Gefilde, aber eines wusste ich, alleine wollte ich solch einen Trip nicht machen.

In der Motorradzeitung „PS" fand ich eine Anzeige „Mitfahrer in die Tuerkei gesucht". Ich rief die Telefonnummer in Aachen an. Fritz D., der die Anzeige startete, sagte die Idee waere, eine 3 Motorraeder starke Gruppe aufzustellen. Jeder sollte fuer sich komplett, Zelt und Ausruestung, mitfuehren , so dass jeder unabhaengig an der Reise teilnehmen kann.
Diese Voraussetzung erwies sich als sehr weise, was sich spaeter herausstellte.
Es war ein Schnuppertreffen in der Eifel geplant. Treffpunkt war bei „unserem 3. Mann" Roland G. in Adenau.
Voller Neugierde fuhr ich nach Adenau. Fritz der Organisator war schon da. Also konnten wir loslegen. Bekanntmachung untereinander:
Fritz, Maschinenschlosser aus Aachen 22 Jahre, erfahrener Langstrecken Tourer mit einer R50 aus den 60er Jahren. Besonderheit: Er traf sich mit dem Franzosen Robert Sexe. in einem Altersheim in Frankreich. Sexe reiste 1926 auf einer Gillette umd die Welt und schrieb ein Buch darueber.
Roland, Kirchenrestaurator aus Adenau, 21 Jahre, mit einer CB 250Honda, Baujahr 1974. Besonderheit: Fuehrerschein Neuling, keinerlei Tourenerfahrung absolut offen und flexibel. Er wollte diesen Trip machen, um zu sehen, ob er am Motorrad fahren Gefallen finden kann.
Und schliesslich ich, Harald, Konditor, 20 Jahre, BMW75/6 Baujahr 1975. Seit meiner Kindheit Camper und viel km auf dem Motorrad aber nur innerhalb Deutschlands.
Das Team machte mir einen vertrauensvollen Eindruck. Kaum gesehen und vorgestellt, waren wir uns einig und keiner machte den Eindruck nicht in diese Gruppe zu passen. Fritz war der „Chef" das war fuer Roland und mich selbstredent.
Die Planung: Jeder sollte eine Ausruestung mit sich fuehren als wuerde er alleine fahren, damit eine Unabhaengigkeit bleibt. Fuer Fritz und mich kein Problem. Roland wird eingeweiht was er braucht. Eine Liste soll ihm die Organisation erleichtern. Abgehakt.
Nun zur Streckenplanung: Unser Fernziel war Istanbul. Wir planten die Reise von Aschaffenburg aus zu starten, da ich der suedlichste Punkt war. Fritz und Roland werden eine Nacht bei mir bleiben und am folgenden Tag soll die Reise beginnen.
A'burg - Istanbul in Tagesetappen mit offenem Ziel. Je nach Fahrlaune und Wetter bzw. Strassenbedingungen. Also kein Stress oder Zeitdruck. Das war schon mal eine ideale Vorraussetzung. War da ja Roland unser „Greenhorn". Um die Kosten auf niedrigstem Niveau zu halten, beschlossen wir wenn moeglich wild zu zelten und Selbstverpflegung zu machen. Das teuerste wird wohl das Bezin sein. Auch das war uns angenehm zu wissen. Listen mit „To do" und was wird benoetigt wurden angelegt und es hatte den Anschein, dass an Alles gedacht wurde. Bis zum Start der Reise im August machten wir jede Woche ein Telefonat um auf dem Laufenden zu bleiben. Es kam der Tag, Roland und Fritz wollten am Samstag in Aschaffenburg eintreffen. Ein letzter Check ueber Ausruestung und Reiseablauf. Mit meinen Aschaffenburger Motorradfreunden hatten wir am Samstagabend eine Party. 1976 war das noch eine aufregende Sache so einen Ferntrip zu machen. 3 unterschiedliche Charakteren aus 3 verschiedenen deutschen Kulturlandschaften auf einem gemeinsamen Trip. Was wird da wohl alles passieren? Kann Roland resignieren? Haelt Fritz betagte BMW? Wie werde ich fremde Laender, Sprachen und Gebraeuche aufnehmen und verarbeiten?
Sonntag morgen. Wir haben Fruehstueck und stellen fest „es pisst". Grau und schwer haengt es am Himmel. Der erste harte Test an uns und das Vorhaben ist schon gegeben. Alles „Wasserdicht" und aufsitzen - Kompanie Marsch. Es geht ueber die A3 nach Muenchen. Die Honda muss alle 150 km an die Saeule. Fritz und ich haben die grossen Tanks und koennen locker 450 km am Stueck fahren. Die Tankstops waren aber eine willkommene Fahrtunterbrechung. Keiner gab irgent einen negativen Komentar, wir tragen unser „Schicksal" mit Wuerde. Auf der Weiterfahrt ca. in der Holledau, kurz vor Muenchen passierte, was den Rest des Urlaubs sehr ueberschattete. Im stroemenden Regen mit sehr eingeschraenkter Sicht verloren wirFritz waehrend eines Ueberholvorganges. Spurlos verschwunden!
Der naechste Parkplatz wurde angesteuert. Jeder Autofahrerder nach uns kam wurde ueber den Verbleib von Fritz befragt. Keine Antwort - was nun? Der Boss war weg!!! Am Oesterreichischen Grenzuebergang wollten wir warten und so fuhren wir weiter. Handy's gab es zu dieser Zeit noch nicht. Am Uebergang befragten wir die Zoellner, ob jemand mit einer alten BMW durchkam? Nein, war jedesmal die Antwort. Wir blieben noch ca. 1 Std. an der Grenze. Mittlerweile liess auch der Regen etwas nach. Die Ratlosigkeit kam auf und wir diskutierten unsere Lage. Fest stand, dass wir weiterfahren und uns auf der besprochenen Route Richtung Istanbul bewegen werden. War da doch die Chance, dass man sich eventuell doch noch wieder treffen wuerde.
Auch am Jugoslawischen Uebergang hatten wir kein Glueck unseren KAPPO wieder zu treffen. Wir liessen einen Zettel jeweils miteinem Zoellner auf dem fuer Fritz eine Nachricht war. Aehnlich wie beim braven Soldaten Schweik, der sich 5 Minuten nach 12 Uhr bei Kriegsende in einer Kneipe mit einem Soldaten treffen wollte, war unsere Nachricht, dass wir uns Mittags am Hafen in Rijeka treffen wollten.
An diesem Tag kamen wir noch bis Ljubeljana. Nun sollte es sich beweisen, dass es gut war, dass jeder eine komplette Ausruestung mit sich fuehren sollte. Jedenfalls hatten wir ein gutes Gefuehl was Fritz betraf. Wir bauten unsere Zelte am Wegesrand unweit der Landstrasse auf. Kochten uns eine fertige Suppe. Nach dem Essen fielen wir in einen Tiefschlaf.
Der Morgen kam, ich machte aus dem mitgebrachten Vorrat ein Fruehstueck und danach sollte es zur Adria gehen. Der erste Strand an der Strasse war das Ziel da wir alles nass gewordene durchtrocknen wollten. Wir fanden eine schoene Strandecke nahe der Strasse. Sollte Fritz doch noch kommen, wuerde er unsere Motorraeder sehen. In der Sonne liegend besprachen wir unsere Situation und Moeglichkeiten. Fest stand, dass wir das Angefangene durchziehen werden. Die Umstaende schweissten uns noch mehr zusammen. Eine tolle Erfahrung fuer uns. Wir planten den weiteren Verlauf und kamen zu dem Entschluss, dass wir nach 3 Tagen eine kurze Lagebesprechung einberufen und ueber den Rest des Urlaubes entscheiden. Gegen Nachmittag waren unsere Sachen trocken und wir packten alles neu. Es ging weiter in Richtung .Rijeka dort wollten wir auf einen Campingplatz. Spaetnachmittags fanden wir den richtigen Campingplatz. Wir bauten unsere Zelte auf und beschlossen Lebensmittel zu kaufen und auch gleich voll zu tanken. Dies bekam die Routine von jetzt an. Zu dieser Zeit waren Kreditkarten nur bei Geschaeftsleuten und wohlhabenden Leuten gebraeuchlich, wir hatten so etwas nicht. Ich hatte eine Summe Bargeld und das war alles im Brustbeutel verstaut. Ich entwickelte einen Haushaltsplan der meines Erachtens genial war und ist. Wir wussten nicht wieviel Geld der Urlaub kosten wuerde und wie weit man mit seinem Geld kommen wuerde, also startete ich mein geniales System. Jedesmal wenn ich Geld fuer Benzin oder Lebensmittel aus gab, transferrierte ich den gleichen Betrag in die Innnentasche meines Kombis. Roland fragte mich warum ich das mache? Ganz einfach sagte ich, wenn der Brustbeutel mit meinem Geld leer ist, ist es Zeit fuer den nach Hauseweg, denn wenn ich es bis hier her geschafft habe, habe ich nochmals den selben Betrag um es nach Hause zu schaffen. Genial! Oder etwa nicht? Mit den Kreditkarten heute ist allerdings diese Methode nur noch in Laendern gut, wo nicht ueberall Scanner fuer Plastikgeld verfuegbar sind. Da jeder von uns voll ausgeruestet war verfuegten wir ueber 2 Kocher nebst Geschirr. Dies gab uns dann auch die Moeglichkeit besser kochen zu koennen. Mit meiner langen Campingerfahrung und die Tatsche, dass ich aus der Lebensmittelbranche kam war es nun von Vorteil wenn es zum Kochen kam. Wir kauften alles zusammen ein und teilten unsere Kochkuenste. Ein Tag zahlte ich fuer Essen und Trinken , am folgenden Tag Roland. Es begann eine tolle Reise. Den Fritz trafen wir zwar nicht wie gehofft am Hafen von Rijeka, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. So fuhren wir an der Kueste Jugoslawiens entlang bis nach Albanien. Viele Stops, die alten Staedte zu bewundern und tolle Rastplaetze direkt am Meer, waren traumhaft. Jugoslawien in seiner vollen Schoenheit die durch den Krieg in den 90er sehr gelitten hat. Wir waren wie die Kings auf diesem Trip.

Filmkulisse in JugoslawienWir erregten Aufsehen mit unseren Motorraedern, die Bevoelkerung war sehr nett. Hin und wieder erlaubten wir uns mal in ein Restaurant zu gehen und lernten schnell, dass unsere D-Mark ein Zaubermittel war. Du Deitschmark war immer hinter vorgehaltender Hand zu hoeren. Tuer und Tor oeffnete die D-Mark. Roland bekam mehr und mehr die Bestaetigung, dass Motorradreisen eine tolle Sache ist und ich leckte Blut an solchen Reisen. Ohne Organisation ins Detail einfach Ziel stecken und los das ist was ich unter Touren verstehe. Jeder Tag das Neue zu erfahren. Mittlerweile verschmerzten wir den Verlust unseres Fuehrers, dachten aber oft in Situationen in der eine Entscheidung zu machen war, an ihn. Wir erfuhren, dass wir in der Gegend der Plitwitzer Seen waren in welcher der Kultfilm „Der Schatz im Silbersee" nach Karl May gedreht wurde. Das wollten wir uns anschauen. Wir fanden die Drehorte und die leerstehenden Flachbauten in welcher die Filmgesellschaften und Schauspieler wohnten. Wir beschlossen eine Nacht in einem der Gebaeude zu uebernachten. Es war toll in Winnetou‘s Steintippi zu uebernachten.

Unsere letzte Nacht an der Kueste war kurz vor Albanien. Wir fuhren bis spaet in die Nacht, wir fanden keine Zeltmoeglichkeit, die uns zugesagt haette. Kurzerhand beschlossen wir ein paar hundert Meter von der Strasse einfach im Freien zu pennen. Es war sehr warm und deshalb bauten wir kein Zelt auf. Wie die alten Cowboys schliefen wir auf dem Boden neben unseren Mustangs. Ein gutes Abendessen und etwas ueppig Rotwein lies das alles sehr einfach geschehen. Im Morgengrauen wurde ich ploetzlich durch einen Stoss in meine Rippen unsanft geweckt. Das erste was ich sah waren zwei schwarze polierte Stiefel in denen ein Uniformierter mit einem roten Stern auf der Kappe steckte. Ein Kropatscheck Karabiner unterstrich seine Authoritaet. .Haette man mich gestochen, waere kein Tropfen Blut aus meinen Adern gekommen. Enden wir im kommunistischen Knast? Alte Stories von unseren Kriegsgefangenen in Sibirien, Geschichten von Bautzen usw. Schossen mir durch den Kopf. Was nun, sehen wir jemals die Heimat wieder? Werden wir zu Kommunisten umgepohlt? Gibt man uns unsere Motorraederund Ausruestung vollstaendig zurueck? Was war geschehen? Durch die Dunkelheit am Vorabend sind wir ungewollt auf ein militaerisches Gebiet gekommen. Albanien war nicht weit weg, wir waren Eindringlinge. Es wendete sich zum Guten und man eskortierte uns zurueck auf die Landstrasse. Erst jetzt sahen wir Hinweisschilder die auf das Militaercamp deuteten. Puh, nochmal gutgegangen. Unsere Reise brachte uns entlang der Kueste bis nach Albanien, da wir kein rotes Parteibuch besassen, lies man uns nicht einreisen. So bogen wir ab in oestliche Richtung nach Pec. Auf dem Weg durchfuhren wir einen Ort in dem eine riesige Menschenmenge war. Ein Mann der auf unsere Nummernschilder sah, kam und fragte „Du Deutsch?" Ja sagten wir beide und er fuhr fort „Isch arbeiten Koeln Ford Auto. Hier mein Stadt und Schwester heiraten". „Du bleiben hier, essen, trinken, Hochzeit, schlafen dann im Garten". „Du bleiben hier" - Ha, sag das mal zu Leuten von unserem Schlag. Gesagt, getan. Wenn es zum feiern kommt braucht man keine Fremdsprachen. Standesgemaess vielen wir volltrunken und ueberfressen in unsere Schlafsaecke. Kindergeschrei weckte uns auf und wir hatten noch ein sagenhaftes Fruehstueck mit unserem Gastgeber. Eine von unseren unbezahlbaren Erfahrungen. Die Reise ging weiter in Richtung Tuerkei. Eine Reise voll von tollen Erlebnissen. Wir fuhren durch stark landwirtschaftlichen Gemueseanbau. Wir stoppten und dachten daran unseren Abendtisch mal auf die billige Art zu decken. Also, Schweizer Messer raus, rein ins Feld und Ernte einfahren. Ploetzlich ein Zastava (Fiat Lizenz) mit zwei Polizisten. Tonfall der Polizisten nicht sehr freundlich. Pass! Nun ja er wollte unsere Paesse. Dann das Komando „Du komm". Sch......, was war jetzt los? Roland sagte, „ich kanns mir schon denken, wir haben auf der Kolchose geklaut". „Es kann nicht all zu tragisch werden". So fuhren wir hinter den Polizisten, die ja unsere Paesse hatten, treu und brav zu der Station. Eine Stunde spaeter kam ein anderer Polizist und belehrte uns in gebrochenem Deutsch, dass wir Diebstahl auf sozialistisches Eigentum begangen haben, was uns eine Nacht im Gefaengis einbringen wird. Ich war auf einem spirituellen Horrortrip, bis Roland sagte"Keine Sorge zur Panik, heute werden wir verpflegt mit Essen, haben eine warme Dusche, ein Bett, morgen frueh ein Fruehstueck, die Motorraeder stehen sicher im Innenhof der Polizei und alles fuer frei". „Alles was wir tuen muessen, ist reuemuetig aussehen." Morgen schon gehts weiter er wisse es denn er kenne das Sozi System. Eine weitere Lebenserfahrung, dass in Situationen Schwaechen und Staerken gut zusammen spielen koennen.
In Pec angegekommen machte ich meine ersten Kontakte mit einer mir bis dahin nicht bekannten Welt. Pec ist eine muslemisch dominierte Stadt. Alles war auf einmal anders. Die Struktur der Stadt, die Menschen, die Geschaefte und das Leben. Wir fanden einen annehmbaren Campingplatz und machten einen vollen Tag Rast. Die Erlebnisse in den letzten Tagen waren ganz schoen viel fuer zwei Greenhorn Weltenbummler. Aber wir haben bis dahin alles ganz gut gemeistert. Nach dem Ruhetag und gut regenerierten Koerperbatterien machten wir uns wieder auf den Weg. Bald schon kam die grieschische Grenze. Wir hatten es schon so weit gebracht ohne unseren Fritz. Wir waren stolz auf uns. Da wir jetzt auf der Transit Route waren, kamen wir recht zuegig voran. Ohne nennenswerte Zwischenfaelle erreichten wir die Grenze zur Tuerkei. Aufregung und Nervositaet kam auf. Wir sind auf dem Weg in etwas das wir nicht so genau kannten. Waren doch Jugoslawien und Griechenland soweit vertraut was unser europaisches Denken betraf, so wird die Tuerkei voellig neu fuer uns sein. Unser Denken: Beduinen, Kamele, Wasserpfeifen, Moscheen, und Leute in seltsamen Gewaendern kreisten durch unsere Koepfe. Der Film vom OrientExpress machte sich in unseren Gedanken breit. Doch dann kam die Ernuechterung: Eine Epedemie grasierte in der Tuerkei und ohne eine bestimmte Impfung nebst Impfpass war es nicht moeglich einzureisen. Ein in Deutsch gedrucktes Merkblatt klaerte uns auf. Auch die vielen tuerkischen Gastarbeiter auf der Heimreise (viele Ford Autos mit tonnenschwerer Dachladung) hatten da so ihre Probleme.
Was nun? Roland kam mit der brillianten Idee nach Athen zu fahren. War es doch auch fuer ihn als Kirchenrestaurator eine Kultstaette die es Wert war zu besuchen. Mir war es egal. Ich war weder in Istanbul noch in Athen. Wir drehten unsere Metallmustangs um und ritten Richtung Sueden.
Hochsommer in Griechenland

Durch das Inland Griechenlands kam mehr und mehr der Eindruck, dass wir durch eine Wueste fahren. So muss der Suedwesten der USA sein. Das kommt auch noch dran waren damals meine Gedanken. Das fahren war jetzt ohne Helm, im Hemd und mit Sandalen. Mach das mal heute. Wir erreichten Athen. Ein Campingplatz in der Stadt war fuer die naechsten Tage unser Domizil . Nachtleben in Athen, Kulturstaetten besichtigen und Ausspannen war angesagt. Doch wir wollten noch weiter nach Delphi, denn man muss den Rezina Wein trinken wo er her kommt. Wir fanden eine Campingplatz in der Naehe der Stadt und am Meer gelegen. Es war auch noch Weinfest zu dieser Zeit. Man kaufte sich eine Amphore die dann immer wieder gefuellt wurde solange man sie an einer Strassenwirtschaft vorzeigte. Wir hatten schon ganz schoen geladen, als Roland auf die glorreiche Idee kam, einen Sonnenuntergang am Strand zu erleben. So kam es, dass wir mit der gefuellten Amphore zum Strand gingen, uns in den warmen Strand legten um die Sonne im Meer versinken zu sehen. Es kam nicht soweit. Wir beide fielen in einen Koma aehnlichen Schlaf. Erst die aufkommende Kaelte in der Nacht weckte uns, aber Kopf und Fuesse waren nicht in der Lage uns zu unseren Zelten mit den kuscheligen Schlafsaecken zu bringen. Wir verbrachten die ganze Nacht wie in einem Straflager. Ich sehnte mich nach der jugoslawischen Polizeistation. Der folgende Tag musste zur Laeuterung unseres Koerpers herhalten. Dann kam die zweite Hiobsbotschaft, als wir unser Essen kauften sagte ich zu Roland an der Kasse „Es braust ein Ruf wie Donnerhall beim Harald ist das Geld jetzt all". Zum Glueck kickt nun die am Anfang des Berichtes geschilderte Finanztechnik ein. Ich habe noch genau die selbe Menge Geld zur Verfuegung fuer die Heimreise. Ein beruhigendes Gefuehl. Bis dahin hatten wir einen unbeschreiblich tollen Urlaub. Was bringt die Heimreise? Wir fuhren wieder mal bis spaet in die Nacht und fanden nichts geeignetes zum Uebernachten. Da tauchte ploetzlich ein Feldweg auf der zum Strand fuehrte. Ratz fatz, es war warm also nur den Schlafsack und auf den Boden wie die Cowboys. Die Kleider hingen am Lenker, eine Flasche Wein mit Weissbrot und etwas Kaese, gekocht wurde nichts. So fielen wir in Orpheus Arme. Mit Sicherheit war das kein Militaergelaende. Der Morgen kam und wir wurden gewahr, wir haben uns mal wieder daneben benommen. Der Strand auf dem wir naechtigten, gehoerte zu einem Hotel, welches versteckt hinter einer Duene lag. Hotelgaeste waren auch schon reichlich da, und wir gaben ein gutes Bild der Belustigung ab. Ich will hier gar nicht naeher darauf eingehen. Die Aufreihung der Kleider an den Motorraedern hatte genug Ausdruckskraft. Weiter ging die Reise. Zurueck wollten wir den Autoput ueber Belgrad fahren. Im Vergleich zu der schoenen Strecke entlang der Adria, ist der Autoput eine verdreckte Transitstrasse. Aber auch das sollte man mal sehen. Wir kamen durch viele Staedtchen. Alles hat irgendwo seinen Reiz. Vor Belgrad kam eine Panne, bis dato hatten wir keinerlei Probleme. Selbst die 250er Honda machte ein tolles Bild. Wir fuhren durch ein kleines Staedtchen und in der Stadtmitte stand ein Polizist auf einer Verkehrsinsel und regelte den Verkehr. Wir mussten stoppen. Als wir freie Fahrt bekamen um links abzubiegen, fuhr Roland um ein Haar den Polizisten von seinem Podest. Bumbs da lag er mit seiner Honda. Der Polizist und ich leisteten Roland Hilfe und er beklagte, dass der Lenker wie mit dem Lenkradschloss blockierte. Alles war fest. Spaeter stellte sich heraus, dass das Lenkkopflager brach und die Kuegelchen in dem Holm die Lenkstange blockierte.

Lenkkopflager defektGlueck im Unglueck. Wenn das auf freier Strecke mit etwas Geschwindigkeit passiert...., dann Gute Nacht Marie. Wir schoben die Honda vor einen Mechanikershop. Der freundliche Mechaniker fixte die Maschine in der bekannten Ostblock Manier. Der Mensch wird erfinderisch, wenn er nicht viel hat und muss nehmen was da ist. Er popelte die Lagerschalen auseinander und fuellte anstelle der Kugeln Kupferdraht hinein und fuellte das ganze mit Staucherfett. Wir waren wieder gut to go. Jedenfalls kam Roland damit bis nach Hause. Die Reparatur kostete ihm seine Taschenlampe Modell Bundeswehr mit den Rot und Gruen zuschaltbaren Blenden. Der Mann war so angetan von diesem Ding, dass er es unbedingt haben musste. Warum nicht?

Das war uebrigens die einzigste Panne auf der ganzen Reise. So fuhren wir also Richtung Oesterreich. Bevor wir jedoch Jugoslawien verliessen, wollten wir unsere Dinar's noch los werden. Also tankten wir kurz vor der Grenze in Kranje nochmals voll und den Rest des Geldes gaben wir fuer eine Flasche Slivowitz und ein tolles Essen aus. Wir sassen in einem Gartenrestaurant und studierten die Speisekarte, wir hatten genug Geld um je eine Balkanplatte fuer 2 Personen zu bestellen. Unsere Maegen hatten eine ungeheuere Aufnahme Kapazitaet, so bestellte jeder eine Platte fuer 2 Personen. Der Kellner war wohl noch von der K & K Zeit uebrig geblieben und wollte patu keine 2 Platten servieren. Wir sind ja nur 2 Personen und die Platten waeren fuer 4 Personen. So kamen wir mit der Story, dass wir ja 4 Motorradfahrer waeren und die anderen 2 noch mit tanken beschaeftigt waeren und eigentlich jeden Moment hier auftauchen sollten. Um die Glaubwuerdigkeit zu unterstreichen bestellten wir noch 2 Flaschen Rotwein und 4 Glaeser. Endlich kapierte der Kellner das und er begann Besteck, Teller, 4 Glaeser und 2 Flaschen Rotwein aufzutischen. Die Platten waren in Auftrag gegeben. Als er servierte und die 2 Freunde noch nicht da waren, wollte er nur 1 Platte hinstellen und die 2. warmhalten. In diesem Moment kamen 2 andere Motorradfahrer ins Lokal und er lies die 2. Platte mit uns. Wir starteten und schaufelten wie ausgehungerte Woelfe die Balkanplatte in uns. Der Kellner war untersessen daran die 2 vermutlichen Kumpels an unseren Tisch zu ordern. Diese hatten keinen Clou warum. Es waren 2 Italiener. Wir hatten einen Spass mit diesem Rollenspiel. Da jeder von uns ja nun mit einer 2 Personenplatte und 1 Flasche Rotwein zu kaempfen hatte ist es nicht noetig zu schildern wie wir am Ende der Schlacht aussahen. Der Rotwein kickte merklich ein. Der verdutzte Kellner, der den Tisch abraeumte war sehr erstaunt und konnte nicht begreifen, dass da zwei Vandalen fuer 4 Personen gegessen und getrunken hatten. Wir gaben unsere ganzen Dinars was ein fuerstliches Trinkgeld fuer den Kellner beinhaltete und lehnten den ueblichen Slivowitz dankend ab. Den noch oben drauf und wir waeren wahrscheinlich geplatzt. Alkohol hatten wir ohnehin mehr wie erlaubt. Wir fuhren noch bis Faak in Oesterreich, bauten die Zelte auf und schliefen den Schlaf des Gerechten. Am naechsten Morgen hatte ich ein leichtes 50 Herz brummen im Schaedel. Nachdem Fruehstueck traten wir die letzte Etappe an. Wir fuhren bis nach Aschaffenburg. Roland blieb noch eine Nacht bei uns und fuhr am folgenden Morgen nach Adenau. Von Fritz hoerte ich erst 1 Jahr spaeter das erstemal wieder etwas. Er meldete sich weil er im Rodgau zu einem Treffen englischer Motorraeder zu Claire wollte. Das waren die Eindruecke meiner ersten Auslandsreise. Es folgten noch viele andere. Jede weitere Reise hatte ihre speziellen Eindruecke und hinterliess tolle Erinnungen und unvergessliche Erlebnisse.