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Der "Eisenhaufen" 

Text: Michael Heise
Fotos: Regina und Michael Heise

  

Damals,

genauer gesagt in den 70er Jahren
des letzten Jahrhunderts im vergangenen Jahrtausend,
ja damals da boomte die Motorradindustrie.
Die 4 großen japanischen Hersteller brachten jedes Jahr
eine große Anzahl neuer Modelle auf den Markt.
Immer mehr Hubraum, immer mehr Leistung und
immer mehr Zylinder.
Einzig BMW hielt konservativ am Zweizylinder Boxer fest,
an eine leichte Einzylinder-Enduro oder
gar einen Vierzylinder-Reihenmotor war überhaupt nicht zu denken.

Irgendwann tauchte SIE in der Motorradpresse auf :
Vier Zylinder, 1100ccm, fast 100 PS !
Und dazu Kardanantrieb und ein 24 Liter fassender Tank.
Nein, es war keine BMW, es war eine Yamaha, die XS 1100.

Ich verliebte mich sofort in dieses Motorrad und
diese Liebe hielt an – bis der Preis bekannt wurde.
Über 10.000 DM verlangte der freundliche Fachhändler
für meinen Traum.
Damit wurde mir meine Entscheidung abgenommen und
ich kaufte mir eine gebrauchte XS 650.

  

Mit dem Youngtimer auf Tour im Hamburger Hafen
 


 

Zunächst vermarktete Yamaha die XS 1100 als Supersportler,
doch man bemerkte sehr schnell, dass man hier am Ziel,
genauer gesagt an der Zielgruppe, vorbeischoss.
Und so entdeckte man die Tourenfahrer,
die bis dato nur von BMW so wirklich Ernst genommen wurden.
 

  

Die lenkerfeste Verkleidung, übrigens von Pichler hergestellt,
unterstützt die Tourentauglichkeit

15 Jahre später.
Die gute XS war längst nicht mehr das Maß aller Dinge
als ich eines schönen Samstags einen Bummel
durch die Motorradgeschäfte in Hamburg machte.
Auf einmal war das Kribbeln im Bauch wieder da.

Da stand SIE –
in die Jahre gekommen, ungepflegt und vergammelt,
aber augenscheinlich in originalem Zustand.

Der Verkäufer muss mich für total bescheuert gehalten haben,
denn ich kaufte die XS 1100 ohne Probefahrt und
ohne den Motor überhaupt einmal gestartet zu haben.


 

Nun hatte ich meinen Traum verwirklicht,
doch es kostete noch viel Arbeit,
bis die Maschine auch aussah wie ein Traum.
Doch ich hatte Glück.
Das Motorrad lief und lief und läuft noch Heute.
Ja, ich habe sie noch immer und
ich gebe sie auch nicht mehr her.
Heute habe ich das große Glück mehrere Motorräder zu besitzen
und kann meinen Youngtimer schonend behandeln.
Nachdem er mich pannenfrei durch ganz Norwegen gebracht hat,
darf er jetzt nur bei Sonnenschein und
einer Regenwahrscheinlichkeit von unter fünf Prozent ausfahren.

Wie heißt es doch so schön :
Die erste Liebe ist die wahre Liebe –
und das gilt auch für einen „Eisenhaufen“!


Das Design
der 70er Jahre