Team Kontakt AGBs Datenschutz Impressum  
Home > Damals > Die Leiden des jungen S.  

Die Leiden des jungen S.

So, nun scheint es geschafft.
Die Leiden sind vorerst überstanden.

Motorradfahren hat mich schon seit Jahrzehnten gereizt, aber irgendwie hat es nie bis zum Führerschein gereicht.
Erst das liebe Geld, dann die fehlende Zeit und dann die Verantwortung für die junge Familie.
Vor kurzem hat meine bessere Hälfte die Freigabe zum Motorradführerschein gegeben. Mit Hilfe eines befreundeten Fahrlehrers war der Führerschein dann auch nach kürzester Zeit erledigt.

Nun begann die Zeit der Leidens.
Was für eine Maschine will/brauche ich?

Für mich stand fest, dass ich keine Rennmaschine, keine reine Enduro und keinen Chopper haben will. Ansonsten war ich nicht festgelegt. Auch ausgeschieden waren die Motorräder, die eher wie Autos sind (Rückenlehne, Stereoanlage, Rückwärtsgang etc.), ich will Spaß beim schönen kurvigen Fahren haben.

Wegen meiner Freunde war ich irgendwie auf BMW geprägt (dem Mercedes unter den Motorrädern....). Die R1150R gefiel mir sehr gut, aber erschien mir als Neuling zu wuchtig...

Nun machte ich den „Fehler" weitere Bekannte und Kollegen zu fragen, was sie denn so empfehlen. Parallel natürlich auch Internetforen durchforstet.
Das Ergebnis dieser Befragungen und Recherchen könnt ihr Euch vorstellen. Ungefähr so: „Draufsetzen, Probe fahren, die Maschine muss Dir gefallen ------ aber für Dich wäre die ... am besten."

Finanziell hatte ich mir zunächst keine Grenze gesetzt.
Durch einen netten Kollegen, der auch netter Motorradfahrer ist, wurde mir auf ehrliche aber auch enthusiastische Art und Weise die GS schmackhaft gemacht. Nach Sitz- und Fahrproben schloss ich die mächtige 1200er GS aus, aber zwischen 800er und 650er schwankte ich noch. Nun hat mir dieser Mensch klar gemacht, dass es für mich nicht die 800er sein muss. Der Motor ist ja der gleiche. Die knapp über 70PS der 650er würden für meine Zwecke vollkommen reichen.
Aber er hat ehrlicher Weise auch eine andere Marke ins Gespräch gebracht. Auch wenn es richtig wäre, andere Marken ins Kalkül zu ziehen, habe ich das vorsätzlich ausgeschlossen, denn sonst würde ich nächstes Jahr noch immer keine Maschine mein Eigen nennen.

Dann hatte ich bei einem "freundlichen" auf einer tiefer gelegten R1200R gesessen. Selbst bei meiner geringen Körpergröße war mir die zu niedrig, aber ansonsten irgendwie wie aus einem Guss. Fühlte sich irgendwie passender für mein Alter an.
Dennoch, die zuvor genannte Überzeugungsarbeit hinsichtlich der 650er GS war in meinem Hirn eingebrannt.
Nun setzte bei mir auch die rationale Denkweise mehr ein. Als Spaß, Hobby neben mehreren anderen Zeit fressenden Hobbys, sollte der finanzielle Aspekt nicht unbeachtet bleiben. Eine Neue sollte es ja nicht sein, das war klar, aber eine R1150R oder R1200R ist nun mal deutlich teurer als eine 650er oder 800er GS.

Mein Bild schien scharf zu sein. Also nur noch eine Frage von Tagen, bis ich eine 650er GS mein Eigen nennen würde.
Internet aktiviert, mehrere Angebote in meiner Umgebung gefunden. Privatangebote schloss ich aus, da mir die Sicherheit bzgl. Gewährleistung wichtig war. Also ab zu einem freien Händler. Erster Eindruck vom Händler war nicht positiv, aber bei der Maschine war mir das auch egal. Ich hatte mir eine 2 Jahre alte 650erGS mit ca. 6.500km ausgesucht. Keine Unfallschäden, keine Umfallerschäden zu erkennen. Maschine war wegen geplatzter Finanzierung günstig zu haben. Alles Serienausstattung. Probefahrt (gegen Unkostenbeitrag, der bei Kauf eines Motorrades verrechnet würde).

Der Funke sprang nicht über zwischen der GS und mir. Gründe kann ich nicht sagen, nur vermuten. Fahren ließ sie sich super, auch als Anfänger sofort gut zu fahren. Kein Gefühl der Unsicherheit. Aber mein Bauch (Hauptentscheidungsträger) hat nicht ja gesagt (aber auch nicht nein). Auch nach der Probefahrt und gutem Angebot sprachen eigentlich nur Gründe für die 650er. Wobei mir als Wochenendfahrer der Verbrauch nicht ganz so wichtig ist, wie bei einem Auto, welches ich jeden Tag benötige. Ich schätze meine Jahresfahrleistung auf 4-6.000km.

Bei einem Smalltalk mit Bekannten kam auf einmal das Superangebot, eine K100RS grundüberholt mit neuen Reifen zu bekommen. Eigentlich nicht in meinem Gedankenspiel, aber als Übergangslösung bis ich meine Entscheidung mit weiteren Testkilometern auf diversen Maschinen besser untermauern könnte? Das Angebot war ein echter Freundschaftspreis. Nach einem Jahr hätte ich bestimmt noch mehr rausbekommen, als ich selbst hätte bezahlen sollen.
Am Tag vor dem verlängerten Wochenende wollte ich der 650er noch eine Chance geben, den Funken überspringen zu lassen. Also ab zum Händler und ---- wegen starker Regenfälle keine große Probefahrt möglich. Da stand neben dran eine ein Jahr alte R1200R. Sie sah mich mit ihrem großen Auge an und warf vor, während und nach dem Kurztest Funken rüber.
Scheinbar hat das Gewitter wohl irgendwie meine Sinnesleitungen verblitzt. Alle richtigen Gedanken waren weg. Aber zum Glück hatte ich noch die eingebaute Blitzsicherung (Geld). Da kam wieder mein Finanzminister ins Spiel. Ich hoffte wohl unbewusst, dass Sie mir die Entscheidung abnehmen würde. Erstaunlicher (glücklicher) Weise sagte die Finanzministerin. Nimm die R1200R. Also nahm ich die schwarze Kuh.

Hier die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte, die zur Entscheidung hilfreich sind, wenn man Neueinsteiger ist.
1. Was will/kann ich ausgeben? Muss auch mit der Familie vereinbart sein. Bei der Recherche auf Negativbeispiele gestoßen.
2. Muss/ Soll es eine spezielle Marke sein? Bei mir habe ich gleich auf BMW eingegrenzt.
3. Muss es eine Neue sein?
4. Was kann ich selbst am Möp erledigen? Ich quasi nichts, daher sollte es auch keine „Bastelmaschine" sein.
5. Was will ich für einen Typ? Chopper, Rennsemmel, Naked Bike, GS? Das ist schon schwieriger...
6. Wie viel Bums soll die Maschine haben? Hängt auch von 1. ab.
7. Eventuell eine billige Übergangsmaschine nehmen, viele verschiedene Maschinen ausprobieren und dann nach 1-2 Jahren die (vorläufig) Richtige kaufen.

Wie ich bei meiner Leidenszeit „lernen" durfte: Es ist wie bei der Suche nach der Frau fürs Leben. Da passen meine Punkte oben auch irgendwie, oder?
BMW (Be My Wife - da ist was dran)

Auf hoffentlich viele schöne Stunden in der Runde der netten Motorradfahrer.
Besonderer Dank an Scotti.

 

Anm. d. Red.:
Wir wünschen Dir gute und unfallfreie Fahrt und danken Deiner Finanzministerin für die richtige und weise Entscheidung.