Team Kontakt AGBs Datenschutz Impressum  
Home > Gastschreiber > Das virtuelle Lagerfeuer > Der Klapphelm  

 Der Klapphelm

Es ist schon einige Jahre her, wenn ich recht überlege, könnte man den Zeitraum sogar in Jahrzehnten ausdrücken, da erreichte ein Brief eines Motorradfahrers die „Abteilung Kundenservice" eines großen, deutschen Motorradherstellers.
Die genaue Formulierung kann ich nicht mehr wiedergeben, aber das Schreiben begann in etwa folgendermaßen:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
schon seit einigen Wochen benutze ich den von Ihnen vertriebenen Systemhelm und muss Ihnen leider mitteilen, dass ich mit dem Produkt gar nicht zufrieden bin, da der Helm bei mir ständig Brandblasen an den Füßen verursacht...."

Das Gesicht des zuständigen Sachbearbeiters wurde leider nicht im Bild festgehalten, als er diese Zeilen las. Man muss ihm jedoch zu Gute halten, dass er diesen skurrilen Brief nicht einfach in den Papierkorb geworfen hat, sondern den Sachverhalt aufgeklärt hat.

Was war also geschehen? Ich muss dazu sagen, dass ich den Verfasser des Briefes persönlich kenne (Ich kannte da mal einen...). Friedrich, so nenne ich ihn hier mal, war zum damaligen Zeitpunkt Abschlepper auf der Autobahn. Er fuhr also mit seinem Truck auf Anforderung der Polizei zu verunfallten und defekten LKW, um diese zu bergen. Vom Körperbau her hätte er die Lastwagen vermutlich auch ohne seinen Kranwagen von der Straße zerren können. Der Körperbau war aber auch der Grund dafür, dass Friedrich keinen passenden Motorradklamotten fand, da die Kollektionen der einschlägigen Hersteller damals noch nicht so ausgeprägt waren. So fuhr er meist mit einem schweren Gummi-Regenmantel und alten, kniehohen Lederstiefeln, die aus der Zeit der Landsknechte zu stammen schienen. Das einzige Zugeständnis an modernen Zeiten war der neue Systemhelm...
Außerdem war Friedrich begeisterter Kettenraucher, was auch ein nicht unerheblicher Grund für die Anschaffung eines Klapphelmes war. So war er nicht auf ständige Rauchpausen angewiesen sondern konnte bequem, mit hochgeklapptem Kinnteil, während der Fahrt eine „quarzen".

Irgendwann passierte es dann auf einer gemeinsamen Motorradtour. Die Gruppe rüstete zum Aufbruch, Friedrich steckte sich noch lässig eine Kippe in den Mundwinkel und fuhr mit hochgeklapptem Kinnteil los. Nun war unsere Gruppe recht zügig unterwegs und irgendwann konnte die Mechanik des Helms dem Druck des Fahrtwindes nicht mehr standhalten. Das Kinnteil des Helms schlug nach unten und gleichzeitig dem verdutzten Friedrich die Kippe aus dem Mund. Diese landete genau in dem weiten Schaft eines seiner Landsknechtstiefel, was er allerdings erst einige hundert Meter später merkte, als eine entsprechende Hitze- und Qualmentwicklung eintrat...

So kam es zu dem anfangs erwähnten Brief, auf den es sogar eine offizielle Antwort gegeben haben soll, deren Inhalt mir aber leider nicht bekannt ist.

Ich wünsche allen Rauchern immer eine brandblasenfreie Fahrt!