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Der Pedant 
Olaf ist Mitte Vierzig, Single und lebt bei seiner Mutter. Und Olaf ist das, was man bei uns im Norden einen „Pennschieter" nennt. In den anderen Teilen der Republik würde man ihn wohl als Pfennigfuchser oder, noch ein wenig drastischer, als Korinthenkacker bezeichnen.
Olaf ist auch Motorradfahrer. Mit ihm auf Tour zu sein, ist für den Rest unserer Feierabend-Fahrgemeinschaft Stress pur. Jede Pause wird zu einer explosiven Situation, weil Olaf wieder einmal eine unnötige Diskussion beginnt. Er liebt es beispielsweise alle Biker über das bestehende Tempolimit auf unserer Hausstrecke zu belehren, wenn diese ihn mal wieder unter Missachtung der Verkehrsregeln überholt haben. Wenn diese seine Belehrungen nicht annehmen, droht Olaf auch schon mal mit der Staatsmacht, was immer besonders gut ankommt. Ich glaube er weiß gar nicht, wie häufig schon einer von uns ihm die Vorderzähne gerettet hat. Schön sind auch seine Gespräche mit dem Wirt unserer Stammkneipe über Sinn und Funktion des Eichstriches auf den Gläsern. Das ist allerdings nicht ganz so gefährlich, weil ihn hier ohnehin keiner mehr wirklich ernst nimmt. 
Es gibt allerdings einen gewichtigen Grund, warum wir Olaf auf unseren Feierabendrunden immer noch mitnehmen. Dieser Grund besteht aus knapp 180 Zentimetern geballter Erotik, hört auf den schönen Namen Sybille und ist Olaf´s kleine Schwester. Wenn Sybille sich bei der Kaffeepause aus ihrer Motorradjacke schält, dann hat das was von einem Schleiertanz. Absolute Stille tritt ein und einige alte Fahrensleute, die sonst von Ausflügen mit ihren Enkelkindern erzählen, beginnen zu sabbern. Sybille hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ihren großen Bruder zu beschützen. Sie würde nie ohne ihn mit uns fahren und deshalb ist Olaf halt bei jeder Ausfahrt dabei. 
So auch an jenem Sonntag, als wir etwas zu zügig in eine Ortschaft hineinfahren. Es ist früh am Tage und alle Menschen schlafen noch. Alle Menschen? Nein, leider nicht wirklich alle. „Mein Name ist Polizeiobermeister Wülfken" stellt sich der Uniformierte vor, nachdem er unsere Gruppe auf den am Sonntagmorgen verwaisten Supermarktparkplatz gewunken hat. „Bitte mal die Fahrzeugpapiere bereitmachen. Wie Sie sicher bemerkt haben, haben wir eine Geschwindigkeitsmessung durchgeführt!" Wir hatten es natürlich nicht bemerkt, sonst würden wir hier jetzt wohl nicht stehen. 
Zwischenzeitlich ist auch Olaf auf dem Parkplatz eingetroffen. Er hat sich natürlich als Einziger an das Tempolimit gehalten, was ihn jedoch nicht davon abhält, den bedauernswerten POM Wülfken gnadenlos zuzutexten. Wir lehnen uns genüsslich zurück, das wird jetzt spannend. Die ersten Zigaretten werden angezündet, Wasserflaschen machen die Runde und eigentlich fehlt nur noch der Eis- und Popcornverkäufer. 
Olaf doziert: „Ihr Messpunkt hier auf dem Parkplatz entspricht in keiner Weise der Durchführungsverordnung zur Bestimmung der Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen im fließenden Verkehr. Durch die vorschriftsmäßig versetzte Fahrweise der Gruppe kann es Ihnen gar nicht gelingen, dass Sie mit Ihrer Laserpistole ein konkretes Messziel über die gesetzlich geforderte Dauer anvisieren....."  
Der Beamte hat nicht die geringste Chance, irgendwie zu Wort zu kommen. Es steht inzwischen 6:0 für Olaf. 6 Minuten Redezeit für Olaf, 0 Minuten für POM Wülfken.
Zumal dieser auch ziemlich allein dastand, denn sein junger Kollege hat sich gleich zu Beginn der ganzen Aktion auf das Wesentliche konzentriert, nämlich auf Sybille. Er lässt sich gerade zum wiederholten Male den Personalausweis vorlegen, Wortfetzen dringen zu uns herüber: „....bräuchte ich noch Ihre Telefonnummer, falls noch Rückfragen sind...". 
Olaf läuft zur Höchstform auf und zitiert Gerichtsurteile, einschließlich Datum und Aktenzeichen, in denen in solchen Fällen für die Kraftfahrer entschieden wurde. 8:0, 9:0 geht er in Führung.
Plötzlich ist die ganze Aktion zu Ende. Mit einem: „Ich belasse es für heute mal mit einer mündlichen Verwarnung!" zieht sich der Polizeibeamte in seinen VW Bulli zurück. Er scheint schwer angeschlagen. Einige aus der Gruppe behaupten später, er hätte sogar leichte Anzeichen von Seekrankheit gezeigt, wie beispielsweise eine grünliche Gesichtsfarbe.
 
Was lernen wir daraus? Habt Ihr auch einen Olaf in der Gruppe, dann pflegt ihn gut. Irgendwann kommt seine große Stunde.....