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Wer kennt sie nicht, diese oft im Befehlston vorgetragene Aufforderung der Kontrolleure im Öffentlichen Personennahverkehr? Auch wenn man sich im Besitz einer gültigen Fahrkarte weiß, fühlt man sich irgendwie unwohl. Der Kontrolleur, dem ich jetzt gerade gegenüber stehe, macht mir aber wirklich Angst. Ich befinde mich nämlich nicht in Bus oder Bahn, sondern mit meinem Motorrad auf einer Tour durch Tschechien. Irgendwo im Nirgendwo springt plötzlich eine Person aus dem Strassengraben direkt vor mein Vorderrad und wieder einmal freue ich mich über mein ABS. Der Mensch, der nun vor mir steht, trägt so eine Art Uniform und redet ununterbrochen auf mich ein. Ich verstehe irgendetwas von „Kontrolle" und „Dokumente" und „Police". Offensichtlich handelt es sich bei dieser Person um einen übermotivierten Dorfscherriff, der sich in den Kopf gesetzt hat, seinen Job heute einmal besonders ernst zu nehmen. Was mich aber viel mehr beunruhigt, sind zwei Tatsachen: Zum ersten trägt dieser Mensch eine Maschinenpistole mit sich herum und zu zweiten den Blutalkoholgehalt einer ganzen Fußballmannschaft nach der Meisterfeier in sich. Die erste Tatsache verbietet, dass ich einfach Gas gebe und abhaue, denn eine Maschinenpistole hat eine unheimlich starke Streuung. Die zweite Tatsache stärkt mein Vertrauen in die tschechische Exekutive auch nicht gerade, zumal mir in diesem Moment auch nicht wirklich klar ist, ob der engagierte Staatsdiener hier allein seinen Rausch ausgeschlafen hat oder ob noch irgendwo eine Hundertschaft seiner Kollegen in der Wiese ruht. Und wieder prasselt die nächste Wortsalve auf mich herunter: „Kontolle - Kollega- Police!" Bei den Worten „Kollega" und „Police" klickt es irgendwie bei mir im Hirn. Ich versuche meine Nervosität zu verbergen, mime große Freude und rufe ihm entgegen: „Hallo Kollega, ich auch Police, Deutschland!" Dabei fuchtele ich ihm mit meiner Monatskarte der Verkehrsbetriebe unter der Nase herum, die auch wirklich irgendwie offiziell aussieht. Und es klappt! Er entspannt sich zusehends (ich übrigens auch), die MP fliegt in die Wiese und ein ansehnlicher Flachmann mit mindestens einem dreiviertel Liter Inhalt wird aus der Uniformjacke gezogen. „Prosst, Kollega!" lallt er und reicht mir die Flasche. Allein der Geruch des Inhaltes verbietet mir schon, ihn auch nur in den Tank meines Motorrads zu entleeren, geschweige denn, davon zu trinken. Trotzdem tue ich so, als nähme ich einen großen Schluck. Wir reden noch ein wenig, ohne einander zu verstehen, dann wird er wieder richtig müde und liegt schnarchend in der Wiese. Ich bewege mich möglichst lässig zu meiner Maschine und fahre betont langsam davon. Erst als ich in einer Entfernung bin, die nach meiner Einschätzung außerhalb der Reichweite einer Maschinenpistole liegt, gebe ich richtig Gas. Seit diesem Tag kann ich bei Fahrkartenkontrollen immer ganz entspannt lächeln.
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