GASTSCHREIBER: Österreich - Zillertal Text und Fotos: Jupp Juppenlatz
Von der Zillertaler Höhenstrasse zur Postalm
Wer schon alle Alpen- und besonders alle Dolomitenpässe kennt, wer die gleiche Erfahrung gemacht hat wie ich, dass Pässe fahren das Highlight des Jahres ist, aber letztendlich doch zu dem Schluss kommt: „Mann ist das voll hier! Was machen denn die ganzen Biker hier?“ Der muss sich nach was „Altem“ umsehen.
| Da gibt es in den Alpen doch tatsächlich kleine, aber feine Bergstrassen, die nicht so überfüllt sind wie die legendären Herren Sella & Co. Wo das Biken eben noch Genuss ist. |
In Fügen im schönen Zillertal gibt es ein nettes Hotel mit dem Namen Waldfriede. Das vier Sterne Hotel liegt etwas außerhalb des kleinen Dorfes. Obwohl es keiner Hotelkette angehört, die sich auf Bi-ker spezialisiert haben, findet man dort alles, was das Bikersherz begehrt. Ruhi-ge geräumige Zimmer, eine Garage für den Schatz und ein leckeres Essen. Zur Erholung nach einem „anstrengenden“ Tag steht ein Wellnessbereich mit Schwimmbad, Sauna und Solarium bereit. Das genialste an diesem Hotel ist der Panoramablick über das Zillertal und die angrenzende traumhafte Bergkulisse abends auf der Terrasse beim Bier. Nach einem leckeren Frühstück geht es dann endlich los. Zum Warmwerden müssen die paar Kilometer auf der B169 bis Ried reichen. Rechts ab, der Beschilderung „Höhenstrasse“ folgen. Nun beginnt der kurvenreiche Aufstieg zur Panoramastrasse. Zuerst noch führt die Strasse recht breit durch ein Waldgebiet und endet nach ca. 5 KM vor einem Mauthäuschen. Nicht erschrecken, die Maut beläuft sich auf 3 Euro pro Motor-rad. Hinter der Mautstelle werden die Bäume immer weniger und die Aussicht immer genialer. Obwohl es eine Bergstrasse ist, führt der Weg nicht immer bergauf, sondern ab und zu auch mal bergab. Manchmal ist die Streckenfüh-rung schon verwirrend, aber immer da, wo man nicht mehr weiter weiß, ist die Höhenstrasse gut ausgeschildert. Der schönste Teil der Strasse verläuft mit dem Berg. | |
Spätestens hier hat man wieder das alte Problem, „Fahren oder guk-ken?“ Gut, dass die Strasse auch von der anderen Seite aus befahrbar ist. Der höchste Punkt der Panoramastrasse ist der Melchboden mit 2015 Höhen metern. Das ein oder andere Berggasthaus lädt zum Verweilen ein. Die Preise für den obligatorischen Capuccino halten sich noch in Grenzen. | Am Melchboden befindet sich auch eine Abflugstation für Gleitschirme. Eigentlich folgt nach jedem Aufstieg in der Regel immer ein Abstieg, aber dieser kommt ziemlich brutal, eben noch lieblich über das Tal sehend, nun muss man sich voll auf die Strasse konzentrieren. Nach knapp 48 Kilometern ist leider alles Vor-bei, dann ist das Zwischenziel Zell am Ziller erreicht. Wäre man in Füssen auf der B169 geblieben, so ständen jetzt nur 13 Kilometer auf dem Tacho. Aber wie heißt es so schön: „Der Weg ist das Ziel.“ |
In Zell am Ziller folgt man der B165 Rich-tung Gerlospass. Nach ein paar Kehren und einer langen Graden hat man in Kö-nigsleiten die Wahl, über den mautpflichtigen neuen Gerlospass oder den freien alten Gerlospass. Meine Wahl fiel auf die L113 und damit auf den „alten“ Pass. Zwar umgeht man die Krimmler Wasser-fälle, hat aber dafür auch eine busfreie Strecke vor sich. In Wald im Pinzgau trifft man wieder auf die B165. In Mittersil kann man wieder wählen, über die B161 und den Pass Thurn nach Kitzbühel wei-ter in Richtung St. Johann in Tirol und dann über die B164 und den Griessen-pass oder über die B168 nach Zell am See. In Saalfelden geht es weiter über den Filzensattel und den Dientener Sattel Richtung Bischofshofen. In Bischofshofen auf die B99 Richtung Eben im Pogau. | |
In Niederfritz geht es auf die B166. Hier wartet mal wieder ein Kuriosum der Ler-chenrotter Sattel und der Wimmer Sattel. Zwei benannte Bergpunkte die keine 20 Meter voneinander entfernt liegen. Der B166 folgend bis kurz hinter Lindenthal, dort geht es links ab nach Schorn. Jetzt geht es an der Lammer entlang Richtung Voglau. Kurz vor dem Ort geht es rechts zur Postalm. Aufi geht’s. Als nächstes kommt der Lienbachsattel unter die Rei-fen. Auch leider steht vor dem Vergnügen die Maut. Aber hier ist die Maut mit 3,50 Euro ebenfalls noch bezahlbar. Der Lien-bachsattel ist mit 1304 Höhenmetern ein schönes Bergsträsschen auf dem wenig Verkehr herscht. Nach einer waldreichen Auffahrt kommt man zur Postalm. Die Postalm ist das größte Almengebiet Ös-terreichs und zweitgrößtes Hochplateau Europas. In 1200 Höhenmeter schmeckt die Spezialität des Hauses, Holunder-beersaft mit Mineralwasser gemischt, richtig lecker. Die kurven- und kehrenrei-che Abfahrt nach Strobl führt im unteren Teil an dem lieblichen Weissenbach ent-lang. Am Ende der Tour bietet sich ein erfrischendes Bad im Wolfgangsee an.

Tourprofil:
Tagestour mit 260 KM. Die Zillertaler Höhen-strasse lädt immer wieder zum Verweilen ein. Für die Bergstrasse sollte ein wenig Bergerfahrung vorhanden sein. Die Reisezeit liegt zwischen Juni und September.
Weitere Infos zur Tour: Gerlospass http://www.gerlosstrasse.at/
Kartenmaterial http://www.powerkarte.de/
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