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Belgien - Ardennen und Hunsrück Eine Reisereportage von Angelika & Michael Engelke Unheimlich, fast gruselig ist es hier. Obwohl jetzt, mitten im Sommer, die Sonne im strahlend blauen Himmel alles gibt, schafft es keiner ihrer Strahlen durch das dichte Blätterdach. Das schmale, graue Asphaltband der Straße windet sich zwischen belaubten Bäumen und dichtem Unterholz hin und her. Wir sehen vor lauter Bäumen nur den dunklen Wald und hinter den Bäumen noch mehr dunklen Wald und dahinter ist es nur noch dunkel. |
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Auf kleinen Nebenstrecken durch fast undurchdringliche Wälder, dort wo der Deutsch-Luxemburgische Naturpark in den belgischen Naturpark übergeht, schaukeln wir mit unserer GS durch die angenehme Kühle des Waldes. Irgendwo zwischen den Flüsschen Wiltz und Clerve sind wir unterwegs, so ganz genau wissen wir das gar nicht, wollen wir auch gar nicht wissen.
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Es macht einfach Spaß in dieser riesigen grünen Region drauf los zu fahren, immer neue kleine Strecken zu entdecken und sich überraschen zu lassen, wo man wieder heraus kommt. Uns führt die Entdeckertour ins luxemburgische Clervaux, ein Volltreffer. Von einer kleinen Aussichtsplattform neben der Straße genießen wir den Blickauf das kleine, im Tal der Clerve gelegene Ardennenstädtchen.
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| Der erste Weg führt uns in die mächtige Benediktinerabtei St. Maurice.
Eine spannende Ausstellung zeigt dort die Sitten und Gebräuche des klösterlichen Lebens. Beeindruckend, aber nichts für uns, jedenfalls nicht auf Dauer. Kiki und ich wenden uns lieber den kulinarischen Genüssen zu, lassen die BMW an der Abtei stehen und wandern ein wenig durch die kleinen Gassen. |
Frische Forellen und Krebse gehören ebenso wie Ardenner Schinken zu den lokalen Spezialitäten. In einem der gemütlichen Restaurants schlagen wir uns den Bauch voll, bevor wir uns wieder in Richtung Westen von Clervaux verabschieden. Etwas flacher und weniger kurvenreich führt uns die Route über die belgische Grenze, um gleich danach bei Tavigny wieder in einen wahren Kurvenrausch zu verfallen. Die kleinen, plätschernden Bäche entlang der schmalen Straßen sehen wir fast nur aus der Schräglage. |
| Gleich hinter Houffalize kommen wir an einem idyllisch gelegenen Campingplatz vorbei. Spontan werfen wir den Anker aus und haben ruckzuck unser Zelt direkt am Bach aufgebaut. Den dicken Bauch vom Schinken immer noch gut gefüllt, gönnen wir uns einen ruhigen Abend, genießen das leckere, gut gekühlte belgische Trappistenbier und zählen jede Menge glitzernde Sterne am schwarzen Ardennenhimmel. |
Entlang des Flüsschens Ourthe düsen wir am nächsten Morgen in Richtung la Roche-en-Ardenne. Die grüne Markierung auf der Michelin-Karte verspricht nicht zuviel. In wilden Kurven und Kehren, bergan und bergab führt die N860 weiter nach Belgien hinein. Zahlreiche Aussichtspunkte liegen rechts und links der Straße, der spektakulärste ist der "Belvédères des 6 Ourthe" bei Nadrin. Sechs Kehren der Ourthe haben wir von hier aus im Blick. Als wir in das kleine Zentrum von la Roche-en-Ardenne unterhalb der dicken alten Festungsmauern hineinrollen, herrscht gerade Marktstimmung. Grünzeug, Gemüse, Obst, Käse und Wurst warten auf Käufer.
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| Gleich unter dem alten amerikanischen Sherman-Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg wird Schnittlauch verkauft.
Uns zieht es weiter, lockt doch südlich des Ortes der Forét de Freyr mit seinen spannenden Strecken und Pisten. Zwar könnte man diese weite, fast steppenähnliche Landschaft auch auf der gut ausgebauten Schnellstraße durchqueren, aber das wäre schon echter Frevel. Im Zickzack nähern wir uns St. Hubert. Biegen auf immer kleinere Nebenstrecken ab. Drei-, viermal bleiben wir stehen, steigen ab, genießen einfach die fantastische Landschaft um uns herum, die hügeligen Wälder, die weiten offenen Flächen, über denen Greifvögel in der Luft kreisen, die flachen Täler durch die sich in der Sonne glitzernde Bachläufe ihren Weg bahnen. Als wir meinen, den schönsten Teil der Ardennen nun gesehen zu haben, öffnet sich vor uns das Tal der Semois. Wir sind begeistert. |
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Die riesige, eindrucksvolle Festungsanlage von Bouillon zieht uns in ihren Bann. Immer wieder kam es im Laufe der Geschichte zu wilden Scharmützeln und Belagerungen dieser mittelalterlichen Burg. Noch heute beeindrucken die dicken Mauern, die dunkelgrauen Türme und Zinnen. Im Café im gemütlichen Zentrum unterhalb der Gemäuer, auf der anderen Seite der Semois, genießen wir einen starken, schwarzen Kaffee, schlendern anschließend durch die engen Gassen und zwischen den alten Häusern und Mauern hindurch. Am Ufer kommen wir mit einigen Kanufahrern ins Gespräch, die hier rasten. Einige Tage sind die Wassersportler mit ihren Canadiern auf der Semois von Florenville bis zur Mündung in die Meuse bei Monthermé unterwegs. Obwohl sie schon öfters hier waren, kommen die Kanuten immer wieder in die Ardennen. Das beste Canadier-Revier weit und breit, betonen sie. Wasserwandern wäre ja mal eine Alternative zum Motorradfahren meinen die Paddler. Na ja, neugierig werden wir schon.
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| Zwar haben Kiki und ich auch schon mal die Paddel geschwungen, aber auf diesem schönen Flüsschen würde es uns auch noch mal reizen. Vorerst bleiben wir aber auf dem Trockenen und nehmen die Straße entlang des Semoir-Tals unter die Reifen. |
Die folgt den unzähligen Windungen des Flusses und verursacht ein Dauergrinsen bei jedem kurvenverrückten Zweiradfahrer. Kaum hat man den Gasgriff ein wenig gedreht, heißt es schon wieder die nächste Kurve anzubremsen. | |
Rechts, links, recht, links, ohne Ende. Auf der einen Seite glitzert die Semois in der Sonne, auf der anderen ziehen sich felsige und baumbewachsene Hänge steil in die Höhe.
In den kleinen Ardennendörfern rumpeln wir immer wieder über alte Steinbrücken, wechseln unzählige Male die Bachseite, überqueren die Grenze nach Frankreich. |
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Bei Deville erklimmen wir mit der GS den Roche de Roma, eine hoch über dem Tal liegende Felsformation. Auf einer urigen Steinbank genießen wir frisches, knackiges Baguette, würzige Wurst und das gute französische Tafelwasser. Nicht minder schlecht ist die Aussicht über den in der Flussschleife liegenden Ort und die grünen, dicht bewaldeten Hänge ringsumher, welch ein Idyll. Eine ganze Reihe Kehren, Kurven und Kilometer weiter rollen wir nach Sedan hinein. Geschichtsträchtiger Boden ist das hier. Zu Zeiten, als sich Deutschland und Frankreich weniger gut vertrugen, im Deutsch-Französischen Krieg, tobten hier heftige Kämpfe. Im September 1870 ergab sich Napoleon mit rund 100 000 Soldaten in Sedan den deutschen Truppen. |
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Wir erleben Sedan glücklicherweise ungleich friedlicher, bummeln durch das kopfsteingepflasterte Zentrum, schlendern an der alten Festung entlang und lassen die Motorradfahrerbeine in die eiskalte Mause baumeln. Pause und Stadtbummel werden dann doch etwas länger als geplant, kurzentschlossen bleiben wir gleich hier. Der Campingplatz von Sedan liegt direkt am Fluss nahe dem Zentrum. Das Zelt ist ruckzuck aufgebaut. Abends machen wir uns noch mal zu Fuß auf die Socken. Auf der Außenterrasse einer gemütlichen Bar sitzen wir im Licht einer flackernden Kerze, gönnen uns eine leckeren Rotwein und lassen den Tag würdig ausklingen. Französischer Rotwein kann es schon in sich haben.
Irgendwie fällt uns das Aufstehen am nächsten Morgen doch schwer. Ein starker, schwarzer Kaffee hilft uns auf die Sprünge und nicht viel später sitzen wir schon wieder auf der BMW und folgen der Meuse in Richtung Süden. Zwischen Mouzon und Stonne kurven wir auf kleinen und schmalen Pisten hinüber zum Canal des Ardennes. Dieser 1833 eröffnete künstliche Wasserlauf mit seinen 44 Schleusen windet sich durch Nordfrankreich und viele Freizeitkapitäne tuckern mit eigenen oder gemieteten Hausbooten durch die romantische Landschaft. Auch wir folgen dem Gewässer ein Stück, bevor wir irgendwann wieder nach Nordosten abdrehen. |
| Bei Florenville verlassen wir Frankreich wieder, düsen durch die dichten belgischen Ardennenwälder entlang der schattigen N85. Bei Neufchâteau halten wir Ausschau nach Schwarzstörchen. Nachdem die Vögel 1898 in den Ardennen ausgerottet wurden, haben sich die ersten dieser majestätischen Segler vor knapp zehn Jahren bei Neufchâteau wieder eingefunden.
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Zur Zeit schätzt man den Bestand auf etwa 20 Paare. Scheinbar sind die Störche, vielleicht nicht zu Unrecht, immer noch misstrauisch. Obwohl wir uns beim Suchen bald das Genick verrenken, können wir keine entdecken. Langsam neigt sich unsere Ardennen-Entdeckungstour ihrem Ende zu. Den kleinen, gelb-grünen Linien unserer Michelinkarte folgend, halten wir uns in Richtung Luxemburgische Schweiz. Bei Martelange überfahren wir die belgisch-luxemburgische Grenze und finden uns unversehens im Gewirr der kleinen Strecken des Sauertals wieder. Zwischen den rot leuchtenden Sandsteinfelsen des romantischen Müllertals hindurch nähern wir uns Echternach, wo die Tour auch begann. Dort, mitten auf dem großen Marktplatz, umgeben von alten, grauen Bauten, trifft sich regelmäßig die Motorradfraktion der Region. Fast immer stehen dort einige Zweiräder und es ergeben sich nette Kontakte. |
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Wir lassen unsere Tour bei Kaffee und Kuchen im Straßencafé ausklingen und sind sicher, dass wir hier nicht zum letzten Mal auf Entdeckungsreise gegangen sind. Ardennen Hunsrück Allgemeines: Die Ardennen sind ein Teil des rheinischen Schiefergebirges. Sie liegen in Frankreich und in Luxemburg, der größte Teil in Belgien. Dicht bewaldet haben sie eine durchschnittliche Höhe von 550 Metern. Immer wieder trifft der Reisende auf tief eingeschnittene Flusstäler. Das Klima ist durchwachsen. Während es im Sommer meist angenehm kühl ist, sind die Winter streng, frostig und schneereich. |
Informationen:
Für Belgien: Belgisches Verkehrsamt, Cäcilienstraße 46, 50667 Köln, Tel. 0221/277590, www.ardennen-bruessel.de Für Frankreich: Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt, Tel. 0190/599061 (0,62€/min.), www.franceguide.com Für Luxemburg: Luxembourg City Tourist Office, Place d’ Armes, Postfach 181, L-2011 Luxemburg, Tel. 00352/222809, www.lcto.lu. Literatur/Karte: Zum Einstimmen und für gute Tipps: "Unterwegs in den Ardennen und den angrenzenden Landschaften" von Christoph Wendt, Grenz-Echo Verlag, ISBN 90-5433-170-4, 17,00 Euro. Michelin Karte 306, Ardennen, 1:180.000, ISBN 2-06-711384-4, 7,50 Euro. Michelin Karte 534, Belgien Süd, 1:200 000, ISBN 2-06-100842-9, 7,50 Euro.
Übernachtung: Zahlreiche Gasthöfe, Waldhotels oder private Unterkünfte haben auch in der Hauptsaison meist noch ein Zimmer frei. Größere Gruppen sollten jedoch vorbestellen, beim Reservieren helfen die o.a. Touristikbüros.
Sehenswürdigkeiten: Die Ardennen sind eine Region für Entdecker, in den kleinen Dörfern warten unzählige Überraschungen auf Reisende. Unbedingt anschauen sollte man Sedan, Bouillon und das Tal der Semois zwischen Florenville und Revin. Die Fotoausstellung "The Family of Man" in Clervaux gilt als "Größte Fotoausstellung aller Zeiten" und zeigt beeindruckende Bilder über Geburt, Arbeit, Liebe, Familie, Krieg und Frieden und vieles mehr.
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