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Südeifel - Sonne über Lavastein
Eine Reisereportage von Angelika und Michael Engelke

"Man könnte wirklich meinen, wir sind hier am Ende der Welt." meint Kiki.
"Stimmt," sage ich. "Aber mit Sicherheit am schöneren Ende."

 
Irgendwo zwischen Manderscheid und Prüm
liegen wir auf dem Gipfel
eines sanften Hügels.
Ringsum herrscht Ruhe, nichts zu hören,
weit und breit.
Grashalme kitzeln ab und an am Ohr.
Strahlend weiße Wolken ziehen
unaufhaltsam am tiefblauen Himmel
über uns entlang.
Eine friedliche Stille liegt über
der einsamen Landschaft.
So ist sie, die Eifel.
So war sie schon immer.
Na gut, nicht gerade vor 10.000 Jahren.
Da war es hier etwas hektischer.
Da wurde den einstigen Bewohnern der Region etwas anderes geboten.
Über der heute sanft geschwungenen grünen Hügellandschaft hing der Geruch
von Schwefel und Feuer.
Dunkle, riesige Rauchwolken standen in der Luft,
glühendes Gestein schleuderte durch den Himmel.

Ein stetiger, ungemein aktiver Vulkanismus formte fortwährend diese Landschaft.
Ihm haben wir heute diese reizvolle Region zu verdanken.
Anders als in vielen Ländern
der Erde hinterließen die
vulkanischen Aktivitäten in der Eifel
eine Silhouette niedriger Hügel und Kuppen.
Eine Gegend,
die zum Motorradfahren geschaffen ist.
Wie ausgerollte Luftschlangen winden sich
die kleinen Landstraßen
der Eifel zwischen den Höhen hindurch,
überqueren eingerahmt
durch niedrige Mauern
auf alten steinernen Brücken
kleine Bäche und Flüsschen.
In schmalen Schneisen schneiden
sie durch riesige Waldgebiete,
fast schon Urwälder.
  

Und immer wieder stellen sich den geteerten Pisten Hügel,
Täler, Seen und Maare in den Weg.

Also folgen wieder Kurven auf Kehren und Kehren auf Kurven.
Genug gerastet -
ausgeruht rollen wir unsere Decke ein, drehen die Thermoskanne zu,
packen alles in die Aluboxen und schwingen uns wieder auf unsere Kuh.  


  Vorbei am Meerfelder Maar,
natürlich auch vulkanischen Ursprungs,
zirkeln wir auf kleinen Nebenstrecken
in Richtung Kylltal.
Bei Densborn überqueren wir die Gleise
der Eifelbahnstrecke,
düsen über die Kyllbrücke und
biegen nach Norden ab,
Richtung Gerolstein.
Bei Birresborn holen wir den Zug ein,
der sich mit der Straße
das Kylltal teilt.  

Ein freundliches Tröten des Lokführers gilt als Startschuss für ein kleines Privatrennen,
bei dem sich die betagte Diesellokomotive aber relativ schnell geschlagen geben muss.
Einige Minuten vor ihr erreichen wir Gerolstein.
Gerolstein, das klingt nach frischem, kühlen Brunnenwasser, nach Gerolsteiner eben.
In 25 Länder der Erde wird das leckere Nass aus der Eifel exportiert.
Wir sind neugierig, fahren einfach mal zum Besucherzentrum.
Glück gehabt, 15 Uhr, freie Führung ohne Voranmeldung.
Endlich erfahren wir auch mal, wie das Sprudelwasser in die Flasche kommt, inklusive Trinkprobe.
Mit einem blubbernden Bauch voller perlendem Nass werfen wir einen Blick auf die Landkarte.
Schnell finden wir das nächste interessante Ziel. 
Überhaupt geht uns
das in der Eifel
eigentlich immer so.
Ohne umfangreiche Vorplanung
fahren wir oft
in diesen Landstrich und
finden doch immer wieder
spannende Highlights,
interessante Dörfchen
und markante Flecken.


Mit einer guten Landkarte lassen sich spontan tolle, kurvenreiche Etappen entdecken,
bei denen das Herz jedes Moppedfahrers höher schlägt.
Mit dem Finger auf der Karte entdecken wir Neroth.
Nur wenige Kilometer östlich von Gerolstein liegt es an der Deutschen Wildstraße.

Uns lockt die angekündigte
schöne Aussicht vom Nerother Kopf.
Und schöne Aussichten
in der Eifel halten stets,
was sie versprechen.
Also los,
über kleine geteerte Wirtschaftswege
auf nach Neroth.
Irgendwie kam uns alten Pfadfindern
der Name bekannt vor und richtig,
wie uns ein freundlicher älterer Herr
im Dorf erzählt,
gründete sich hier in Neroth
Anfang der zwanziger Jahre
der Nerother Wandervogel,
eine sehr rührige Jugendbewegung.

Und außerdem, so lockt uns der gute Mann zum Verweilen,
gebe es hier in dem Dorf das einzige Mausefallenmuseum.

Mausefallenmuseum?
 
Wir glauben erst an einen Scherz, überzeugen uns dann aber doch noch vom Gegenteil.
Aus der einstigen Not,
die die Nerother wie viele Eifeler litten, führte für die kleine Eifelgemeinde der Weg über den Draht.
Theodor Kläs, 1802 geboren,
lehrte die Nerother Bevölkerung das Drahtflechten.
Und was lag näher zur damaligen Zeit, als daraus Mause- und Rattenfallen zu bauen.
Diese wurden dann von Hausierern in aller Welt verkauft.
So kamen die Nerother zur Drahtindustrie.
Und im Mausefallenmuseum kann sich der Besucher heute ein Bild davon machen,
wie findig man früher in der Eifel war,
wenn es darum ging, den kleinen Schädlingen den Garaus zu machen. 


Wir gönnen uns noch ein
leckeres Abendessen im Dorfgasthaus
und verlassen dann kurz
vor der Dämmerung den ruhigen Ort,
fahren ein Stück südlich
entlang der Lieser.
Auf einer kleinen Lichtung
schlagen wir unser Zelt auf,
gönnen uns noch das eben erstandene
Fläschchen Eifelbier und
schlafen bald den Schlaf der Gerechten.
 

 

Kirchenglocken wecken uns am nächsten Morgen in aller Frühe.
Da waren wir wohl doch nicht weit genug weg von der Zivilisation.

Egal,
die schönste Zeit ist sowieso der frühe Morgen,
wenn die Nebelschwaden noch in den Senken stehen und
die Sonne den ersten Streit mit ihnen ausficht.
Also raus aus dem Schlafsack,
ein bisschen kaltes Lieserwasser ins Gesicht und los geht’s.
Westwärts, Salm, Grindelborn, vorbei an der Ruine der Bertradaburg.



 

Die Straßen sind ein Traum für verwöhnte Motorradfahrer.
Kurven, mal langgezogen für genussvolles Gas stehen lassen in knackiger Schräglage,
mal eng, fast schon Serpentinen, aus denen man sich mit einem kräftigen Dreh wieder heraus katapultiert.
Es geht bergauf, bergab, kaum ein langes gerades Stück.
Der Asphalt ist griffig, die Straßen meist sauber.
Nur wenige Autos sind um diese Zeit unterwegs.
Nicht viele verirren sich in die Gegend bei Nimsreuland, Nimshuscheid oder Ober- oder Niederlauch.

Eigentlich unverständlich,
denn hier ist die Landschaft noch ursprünglich, eben Natur.
In Schönecken,
das mit der malerischen Burg seinem Namen alle Ehre macht, gönnen wir uns ein leckeres Frühstück,
bevor wir dann endgültig in den Deutsch-Luxemburgischen Naturpark eintauchen.
Wir lassen die breiten Bundesstraßen links liegen und suchen uns auf der Karte die dünnsten weißen Linien.

 
Durch kleine Weiler,
manchmal nur zwei oder drei
Häuser und ein Misthaufen,
rollen wir und können uns
nicht satt sehen.
Nett zurecht gemacht,
oft mit üppiger Blumendekoration,
aber auch manchmal
arg abgerissen grüßen die
Bauernhäuser, Ställe und Schuppen
vom Straßenrand.


Eine Katze springt vor uns über die Straße, selbst Hühner kreuzen am helllichten Tag den Weg.
Schon fast postkartenkitschig wirkt die Idylle, aber dennoch ist sie ein Fest für die Augen.
Hinter Neuerburg geben wir wieder Gas, überholen einen Trecker mit seinem übervoll beladenem,
aromatisch riechendem Anhänger.

Mist am Krümmer riecht echt würzig und im Rückspiegel meine ich das breite Grinsen
des im obligatorischen Blaumann gekleideten Treckerpiloten deutlich zu erkennen.
Über die Muxerather Höhe mit ihrem schönen Rundblick düsen wir weiter bis ins Tal der Our.
Kleine Straßen, schon eher an Wirtschaftswege erinnernd,
folgen den zahllosen Windungen des kleinen Flüsschens. 

 


 

Zwischen blühendem Löwenzahn auf der linken und dem gurgelnden Bach auf der rechten Seite
lassen wir uns von einer in die nächste Kurve fallen.
Bei Wallendorf mündet die Our in die Sauer.
Eine willkommene Gelegenheit für ein entspannendes Picknick am Ufer.
Wir hängen die Füße ins eiskalte Wasser und beobachten jede Menge Wassersportler,
die mit den überall in dieser Gegend angebotenen Mietkanus in See stechen.
Mehr oder weniger geschickt, schaffen es die meisten mit Glück trocken über die eher harmlosen Schnellen der Sauer.

Wenn man im Sommer Badesachen dabei hat,
lohnt es sich auch für Motorradfahrer, einen der Verleiher an der Sauer anzufahren.
Die Maschine wird abgestellt, die Klamotten untergebracht, die komplette Paddelausrüstung gestellt.
Nach der feuchtfröhlichen Tour werden Paddler und Kajaks am vereinbarten Treffpunkt aufgesammelt und wieder zurück gebracht.
Wer sein Zelt dabei hat, so wie wir, kann oft auch gleich eine Empfehlung für einen schönen Ruheplatz mitnehmen.


Immer entlang der
Luxemburgischen Grenze,
meist am Ufer der Sauer,
führt uns der Weg
am nächsten Tag
nach Echternach.
Das malerische Städtchen
lässt sich am besten
zu Fuß durchwandern.


Leckereien gibt’s in den malerischen Geschäften zwischen alten Mauern und
auf dem großen Marktplatz stehen bei schönem Wetter Unmengen Zweiräder.
Wer Lust hat, kann international Benzin quatschen.
Luxemburger, Niederländer, Franzosen und Deutsche kommen im Sommer
auf ihrer Motorradtour hier durch und es ergibt sich immer eine Gelegenheit
für ein nettes Gespräch. 

Wir schlagen uns in einem der einladenden Cafés den Bauch mit Eis voll.
Noch ein wenig das Gesicht in die Sonne halten, dann machen auch wir uns wieder auf die Reifen.
Weiter geht es noch ein wenig entlang der Sauer, bis wir über Wasserbillig auf Trier zufahren.
Die älteste Stadt Deutschlands schließt die Eifel zum Süden hin ab.
Jenseits des Moseltales beginnt dann der Hunsrück.
Und der bietet genug Stoff für eine ganz andere und eigene Reisegeschichte.