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Holland: Überaschende Vielfalt Text und Fotos von Kiki und Michael Engelke |
"Kann man da auch Motorrad fahren?" Deutlich steht Kiki der Zweifel im Gesicht geschrieben. "Klar," sage ich, "da gibt’s bestimmt nicht nur Käse und Wohnwagen, sondern auch wunderschöne Küstenstraßen, nette Örtchen und viel zu schauen." So ganz überzeugend wirke ich wohl nicht, aber experimentierfreudig wie sie ist, stimmt die beste Sozia der Welt schließlich zu. Also heißt unser Ziel Holland. Keine zwei Tage später sitzen wir beim Frühstück vor unserem Zelt. Lassen uns frische Brötchen schmecken und lauschen dem Benzinkocher, der unseren Kaffee bereitet. Gestern Abend rollten wir hier auf den Gaasper Campingplatz direkt vor den Toren der Millionenstadt Amsterdams. Der Platz liegt nur 20 Minuten vom Zentrum der quirligen Metropole entfernt.
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| Einfach ideal für einen Abstecher in das spannende Nachtleben Amsterdams. Natürlich ließen wir uns das nicht entgehen, besorgten uns an der Rezeption ein Ticket für die Metro, die direkt vor der Anlage hält und düsten damit ins Zentrum. Erst spät in der Nacht fuhren wir wieder zurück, entsprechend schwer fiel das Aufstehen heute morgen.
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Bald ist das Zelt abgebaut und verpackt. Wir schwingen uns auf die BMW, umfahren den Osten Amsterdams auf dem Autobahnring und verlassen den bei Nieuwendam auch gleich wieder.
Waterland nennt sich die Region. Kaum haben wir die Hauptstadt der Niederlande hinter uns, wird es gleich um ein Vielfaches ruhiger und beschaulicher. An der Markermeerküste rollen wir zwischen grünen Feldern und Wiesen, entlang der Deiche in Richtung Norden. Auf der erstaunlich leeren Strecke bietet sich sogar reichlich Gelegenheit zur Schräglage.
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Unter dem tiefblauen Himmel, der mit strahlend weißen Wolken gespickt ist, liefern wir uns das eine oder andere kurze Rennen mit den schreienden Möwen, die den kräftigen Rückenwind geschickt zum Überholen nutzen. Wir passieren Monnickendam und Volendam, steuern ein bisschen durch das grüne Hinterland und rollen gleich darauf durch Hoorn. Die Hafenstadt mit ihren 70 000 Einwohnern hat Geschichte, war einst Sitz der Vereinigten Ostindischen Kompanie. |
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Zahlreiche Seefahrer und Entdecker kamen aus Hoorn und vor rund 400 Jahren hatte der Hafen internationale Bedeutung. Nach ihm wurde schließlich die südlichste Spitze Südamerikas, das Kap Hoorn, benannt. Heute ist Hoorn ein beliebter Ausflugshafen und das Ziel vieler Ausflügler. Auch wir stellen unsere GS am Hafen ab und schlendern durch die Gassen mit ihren alten Häusern aus dem 18. Jahrhundert.
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In der Nähe des alten Stadttores setzen wir uns in ein Cafe, gönnen uns einen heißen Kaffee mit leckerem holländischen Gebäck und lassen uns die Sonne in die Gesichter scheinen. Ein Stück weiter nördlich beginnt das Ijsselmeer. Auch hier folgen wir der Küstenstraße, vorbei an jeder Menge Schafe, die uns neugierig hinterher gucken. So viele Motorradfahrer scheint es hier nicht zu geben. Eigentlich unverständlich, denn inzwischen ist auch die einst skeptische Sozia von der Richtigkeit unseres Tun überzeugt.
Wir genießen weiter das flache Land, die angenehme, nach Salzwasser riechende Brise und das Kreischen der Möwen. Bei Medemblik fahren wir an einigen Windturbinen vorbei, die mächtig im Wind rotieren. Ein kurzes Stück weiter nehmen wir Kurs nach Westen, fahren direkt auf die Nordsee zu und erreichen Den Helder. |
Die strategisch günstig an der Einfahrt zum Ijsselmeer liegende Stadt besitzt nicht nur einen mächtigen Marinehafen, sondern auch eine der modernsten Fischauktionen Europas. Uns lockt jedoch eine andere Attraktion. Wir verlassen Den Helder in Richtung Julianadorp und stecken mitten in einem riesigen Blütenmeer. | |
| Zwischen den Dünen südlich Den Helders findet sich Europas größtes zusammenhängendes Blumenzwiebelgebiet. Von der einfachen Tulpe bis zur tennisballgroßen lila leuchtenden Blüte findet sich hier alles, was bei Blumenfreunden die Augen leuchten lässt. Wir stecken mehr als einmal die Nase in die Blütenstände und bedauern, dass unsere Alukoffer nicht noch ein bisschen mehr Platz für ein paar Beutel "Bloembollen" haben. Was wäre Holland ohne seine Sandstrände. Natürlich machen auch wir den Strandtest, schließlich haben wir extra Badeklamotten eingepackt. Zwar erscheint uns die Temperatur des Seewassers irgendwie doch ganz schön frisch, in Ermangelung eines Thermometers können wir es nicht genau feststellen, aber der anschließende Strandspaziergang wärmt uns schnell wieder auf. |
Windgeschützt zwischen den Dünen lassen sich auch schnell lauschige Plätze für ein entspannendes Mittagsschläfchen finden. Solchermaßen gestärkt folgen wir am Nachmittag der Küste in Richtung Süden. Kleine, freundliche Touristenorte wechseln sich ab. Bergen an Zee, Egmond an Zee, Wijk an Zee, schwer zu erraten, dass es sich dabei um Badeorte handelt. |
Bei Zandvoort steuern wir natürlich den Circuit Park an. Seit 1948 werden auf dieser spannenden Rennstrecke in den Dünen Auto- und Motorradrennen ausgetragen. Wir wollen mit unserer Gummikuh auch eine schnelle Runde drehen, haben diesmal aber keine Chance. Zwar ist die Rennstrecke regelmäßig auch für Besucher geöffnet, heute stehen aber Testfahrten auf dem Programm, eine "geschlossene Veranstaltung". |
Bis Scheveningen fahren wir noch weiter, dann gönnen wir unseren Motorradfahrerbeinen mal wieder etwas Bewegung. Spätestens hier ist Schluss mit der Beschaulichkeit. Der Stadtteil von Den Haag hat sich vom einstigen Fischerdorf zum größten Seebad der Niederlande entwickelt. | |
| Hier geht die Post ab. Auf der langen Promenade lustwandeln Hunderte Spaziergänger und Skater, hier wird geradelt und gejoggt. Man trifft sich, ist hier zum Sehen und gesehen werden. |
Rund zehn Millionen Besucher zählt Scheveningen im Jahr. Wir stürzen uns in den Trubel, klettern auf den Aussichtsturm am Ende der 381 Meter langen Seebrücke. Gegen Abend gönnen wir uns eine dicke Portion leckeren Fisch in einem der vielen Restaurants, dazu ein eiskaltes Heineken. Das niederländische Bier schmeckt nach mehr, aber wir wollen ja schließlich noch ein paar Meter fahren. Auch wenn es nur zehn Kilometer bis Wassenaar sind. |
| Dort finden wir schnell einen schönen Platz unter den dichten Bäumen der Zeltwiese auf dem Campingplatz Duinhorst. Und weil es so schön zischt, gönnen wir uns in der Bar dann auch noch das verdiente zweite Heineken. Gleich hinter Den Haag geht es am nächsten Morgen mit der Fähre weiter. Über den Nieuwe Waterweg, die Zufahrt zum Rotterdamer Hafen, setzen wir mit dem Schiff über. Fasziniert bleiben wir noch ein bisschen am Ufer des Wasserweges sitzen. Mächtige Pötte schieben sich an uns vorbei. |
Riesige, hochmoderne Containerschiffe, die von Schleppern gezogen werden, weiß leuchtende Kreuzfahrtschiffe und verrostete uralte Seelenverkäufer ziehen durchs Wasser. Es herrscht enormer Betrieb. Kein Wunder, Rotterdam besitzt den zweitgrößten Seehafen der Welt und setzt jährlich 354 Millionen Tonnen Güter um. Südlich am Hafen vorbei düsen wir Richtung Dordrecht, durchfahren die Stadt mit ihren Werften und Kanälen zügig auf einem kurzen Stück Stadtautobahn. |
Kaum haben wir Papendrecht hinter uns, ändert sich das Gesicht der Landschaft wieder sehr schnell und wir sind wieder mittendrin im grünen Holland. Auf der gut ausgebauten Landstraße folgen wir den Ufern des Flusses Lek. Mit langen, geschwungenen Kurven folgt die Strecke der Wasserstraße. Sportboote, Segler, kleine Fähren und Frachtkähne schippern durch das glitzernde Wasser. | |
Ich lasse die BMW von einer auf die andere Seite kippen. Windmühlen und Alleebäume huschen an uns vorbei. Irgendwo am Straßenrand lockt uns ein knallgelber Verkaufsstand. Wir erstehen einen dicken Korb Erdbeeren. Der freundliche Holländer will uns die Früchtchen einpacken. Dankend winke ich ab, die leckeren Vitaminspender verputzen wir gleich wenige Meter weiter am Flussufer. Ein paar Schlenker weiter durch die holländischen Felder erreichen wir Gouda. Die durch den gleichnamigen Käse weltbekannte Stadt ist vor rund 1000 Jahren durch Dammbau und Trockenlegung dem Sumpfland abgerungen. Die in der Vergangenheit von mehreren verheerenden Stadtbränden und der Pest heimgesuchte Handelsstadt hat Einiges zu bieten.
Neben dem ältesten gotischen Rathaus der Niederlande lockt auch die mit 123 Meter längste Kirche der Niederlande mit ihren außergewöhnlich schönen Fenstern. Museumsfreunde kommen im Pfeifen-, Kacheln- oder Käsemuseum auf ihre Kosten. Das Widerstandsmuseum informiert über die deutsche Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Wir entscheiden uns für eine Stadtbesichtigung zu Fuß, stellen die BMW ab und schlendern ein wenig durch die alten Gassen entlang der unzähligen Kanäle. Durch die Polderlandschaft geht es später weiter in Richtung Norden. Langsam nähern wir uns wieder Amsterdam und weil es uns dort so gut gefallen hat, beziehen wir am Abend wieder den Campingplatz im Südosten der Hauptstadt. Mittlerweile kennen wir uns ja aus mit Metro und Bus, nutzen den perfekten Shuttleservice am Abend nochmals zur Tour in die Innenstadt.
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Bis Amsterdams City langweilig wird, könnten wir noch einige Abende dort verbringen. Die Umrundung Flevolands steht am nächsten Tag auf dem Programm. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Vergnügungspark oder um die Heimat irgendwelcher berühmten Bausteinchen. Flevoland ist die zwölfte und jüngste Provinz der Niederlande. In dreißigjähriger harter Arbeit wurde die Provinz dem Ijsselmeer abgerungen. Wo früher noch die Wellen des Salzwasser schwappten, düsen Kiki und ich jetzt mit der BMW durch den Polder.
Entlang des Westdeiches fahren wir auf die Provinzstadt Lelystad zu. Auf der linken Seite liegen Marker- und Ijsselmeer, rechts leuchten grüne Wiesen in der Sonne, große Seen bilden das Naturreservat Oostvaardensplassen. Fast unwirklich, aber faszinierend wirkt die künstliche Landschaft entlang der kilometerlang schnurgeraden Straße, auf der uns kaum ein Mensch entgegen kommt. In Lelystad besuchen wir das Poldermuseum "Nieuw Land". Anschaulich wird hier erklärt, wie Landgewinnung und Besiedlung funktionierten, mit welchen Schwierigkeiten die Arbeiter tagtäglich zu kämpfen hatten.
Nach einem Schlenker über Emmeloord, dem größten Ort des ebenfalls trockengelegten Nordostpolders, folgen wir dem Ostrand Flevolands wieder in Richtung Süden. Hier war ursprünglich Hollands Küste, heute erinnert nur noch ein schmaler Wasserstreifen, das Veluwe Meer, daran. Über die fast leeren Straßen, quer durch das weite, flache Land, verlassen wir den Polder in Richtung Utrecht und schlagen langsam wieder den Weg nach Hause ein. Das fällt uns nicht ganz leicht. Wissen wir doch jetzt beide ziemlich genau die Antwort auf die skeptische Frage, ob man in Holland auch Motorrad fahren könne. Wir meinen: "Eindeutig ja!" Allgemeines: Im deutschen Sprachgebrauch wird Holland oft als Bezeichnung für die Niederlande gebraucht. Holland ist jedoch nur ein Teil davon und besteht selber aus Nord- und Südholland. Nordholland liegt zwischen Nordsee und Ijsselmeer, Südholland endet im Süden etwas unterhalb Rotterdams.
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| Der Name entstand aus dem Begriff "Holtland", was Holz- oder Waldland bedeutet. Große Teile Hollands liegen unterhalb des Meeresspiegels und sind mit Deichen geschützt. Klima/Reisezeit: Die unmittelbare Nähe des Meeres bestimmt das Klima Hollands. Das hat im Durchschnitt milde Winter und mäßig warme Sommer zur Folge. Am wenigsten Niederschlag fällt im Frühjahr. Die ideale Reisezeit sind der Frühling und der Sommer, aber auch der Herbst hat durchaus seine Reize. Ein Regenkombi sollte allerdings nie im Gepäck fehlen. Schlechtes Wetter verzieht sich an der See oft genauso schnell wie es kommt.
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Motorradfahren: Die weite, flache, offene Landschaft ist eine Alternative zur Berg- und Kurvenhatz. Das Fahren wird nie langweilig, wenn man einen Blick für die Landschaft hat. Es gilt, viel Interessantes und Abwechslungsreiches aufzunehmen. Holland will erkundet werden. In den Großstädten Amsterdam, Den Haag und Rotterdam ist es nervenschonender, auf Metro und Bus umzusteigen.
Essen & Trinken: Die typisch holländische Küche gibt es nicht wirklich. Wer an der Küste weilt, sollte natürlich fangfrischen Fisch probieren. Erwähnenswert sind die niederländischen Pannekoeken, Pfannkuchen in allen Variationen, von süß bis herzhaft. Es locken zahlreiche indische Restaurants. Ein Tipp sind leckere Matjesheringe mit viel Zwiebeln. Als Nachtisch unbedingt Vanillevla!
Übernachten: Holland bietet eine breite Palette vom Tophotel bis zum Campingplatz. Appartements und Ferienwohnungen gibt es in fast jedem Ort. Die örtlichen Touristenbüros heißen "VVV", sie helfen gerne bei der Vermittlung. Online-Buchungen siehe Internet.
Karten/Literatur: Michelin, Karte 532, Südholland und Karte 531, Nordholland, beide im Maßstab 1:200 000. Adressen / Internet: Sehr informativ ist www.holland.com . Hier lassen sich auch Unterkünfte buchen und Prospekte bestellen. Niederländisches Büro für Tourismus, Postfach 27 05 80, 50511 Köln, Tel.: 01805/34 33 22 (12 Cent/Min) Fax: 01805/34 33 20
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