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Von Erdbeeren und Elchen -                                                                               eine Reise durch Schwedens Süden
                                                    von Regina und Michael Heise
 

Da haben wir uns wohl wirklich zu früh gefreut! Schon bei der gestrigen Anfahrt nach Travemünde zum Fährhafen folgte uns eine tiefschwarze Gewitterfront und rückte uns bereits bedrohlich auf die Pelle. Bei Temperaturen über 35 Grad und einer gefühlten Luftfeuchtigkeit wie im Amazonasurwald, erreichten wir jedoch noch trockenen Reifens unsere Fähre, die MS Nils Holgersson. Nachdem wir unsere gemütliche Kabine bezogen hatten, erlebten wir eine ruhige und bequeme Nacht.

Die schwedische Stadt Trelleborg empfing uns mit Sonnenschein und nur draußen, ganz weit draußen auf der Ostsee waren ein paar Wolken zu sehen. Wir genossen ein zweites Frühstück in einem gemütlichen kleinen Cafe und freuten uns dem Unwetter entkommen zu sein.

Jetzt, eine knappe Stund später, stehen wir unter dem Wellblechdach  einer Tankstelle und können uns wegen des Lärms der auf das Dach prasselnden Regentropfen kaum verständigen. Da ist sie wieder- „unsere“ Gewitterfront. Blitze zucken um uns herum und aus dem sonnigen Morgen ist eine tiefschwarze Nacht geworden. Als Blitz und Donner gleichzeitig über uns explodieren, frage ich mich, ob so eine Tankstelle wirklich der geeignete Ort ist, um Schutz zu suchen. Auch die Scheinwerfer unser Aprilia Caponord schauten uns irgendwie besorgt an.

Grimmiger Blick Unsere Aprilia mit dem grimmigen Blick!

Aber wir bleiben optimistisch. Gewitter sind in der Regel kurz und heftig und reinigen die Luft. Anschließend werden wir bestimmt wieder bei herrlichem Sonnenschein……Unser Gewitter möchte sich offensichtlich nicht an die Regeln halten. Auch nach einer weiteren Stunde hält es tapfer seinen Standort. Normalerweise würde ich in einer solchen Situation diesen Tag als Fahrtag abhaken und eine gemütliche Unterkunft suchen. Bei dieser Reise haben wir jedoch die Unterkünfte vorgebucht. Die einzelnen Reiseetappen sind zwar gemütlich und überschaubar mit viel geplanten Besichtigungsstopps, aber wir müssen halt weiter. Also gut, testen wir die Qualität unserer Rukka-Kombis, sitzen auf und beginnen mit den Schwimmbewegungen.

 

Unserer Tour wird uns an der Ostküste entlang durch das Gebiet der Schären auf die Insel Öland führen, von dort durch die Wälder Smålands bis an die Westseite Schwedens und zurück zum Fährhafen nach Trelleborg. Leider hat zumindest an diesem ersten Reisetag das Gewitter dieselbe Streckenplanung und so fahren wir den ganzen Tag im Regen an der Küste entlang. Das Wetter lässt leider nur erahnen, wie schön es hier sein kann und wir verzichten auf weitere Stopps und Besichtigungen.

 

Ein wirklicher Lichtblick ist unser heutiges Hotel. Nicht nur, dass wir außerordentlich freundlich empfangen werden (wir sehen aber auch wirklich Mitleid erweckend aus), wir bekommen auch ein sehr großes Zimmer mit einem Vorraum, in dem wir erst einmal  die Ausrüstung fallen lassen können, ohne gleich das gesamte Zimmer zu versauen. Das Hotel verfügt über ein ausgezeichnetes Restaurant und wir verwöhnen uns mit einem vorzüglichen Menü inklusive einer Flasche Rotwein, die ein beträchtliches Loch in unsere Reisekasse reißt. Den Abend verbringen wir mit dem Trockenfönen unserer Ausrüstung.

 
                                     Wasserschaden
                                     Der Wasserschaden wird beseitigt

Die Kombis haben zwar dicht gehalten, aber irgendwann findet das Wasser seinen Weg durch Kragen und Ärmelbündchen. Regina findet in einem Schrank im Flur unseres Zimmers auch noch ein Bügeleisen und so rücken wir mit geballter Technik der Nässe zu Leibe. Irgendetwas ist plötzlich anders. Es dauert einen kleinen Moment bis wir begreifen, dass das uns den ganzen Tag begleitende Rauschen des Regens fehlt. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt unsere Hoffnung: Es hat aufgehört zu regnen und am Horizont zeigt sich ein ganz schmales Lichtband, die Sonne! Wir nutzen die Gelegenheit für einen langen Spaziergang.

         Stille

Am nächsten Morgen genießen wir zunächst das skandinavische Frühstücksbuffet, das von frischen Früchten bis zu verschiedenen Sorten eingelegter Heringe alles enthält, was man sich denken und wünschen kann. Danach genießen wir den Wetterbericht im schwedischen Radio. Ich verfüge zwar nur über rudimentäre norwegische Sprachkenntnisse, aber soviel verstehe ich:

der Sommer kommt zurück und wird die nächsten Tage auch bleiben!

           Fluss

Zufrieden brummt die Caponord vor sich hin. Wir befinden uns in der Nähe der Stadt Karlskrona und fahren auf kleinen Straßen bis direkt an die Küste. Wir sind hier in den ostschwedischen Schären, einer wunderschönen Landschaft aus hunderten von kleinen Inseln vor der zerklüfteten Küste.

           In den Schären

Das Lexikon definiert den Begriff der "Schären" so : Eine Schärenküste ist eine vom Eis überformte wellige Felsenküste mit geringen Höhenunterschieden, zahlreichen kleinen, nicht sehr tief eingreifenden Buchten und vorgelagerten rundhöckerartigen Inselchen.  

         Küste

Der versprochenen Sommer ist ebenfalls eingetroffen. Wir kaufen im Supermarkt alles Nötige für ein schönes Picknick, legen uns in die Sonne und träumen aufs Meer hinaus. Nur mühsam gelingt es uns, uns nach der Mittagspause  aufzuraffen und weiterzufahren. Aber die Landschaft zieht uns sofort wieder in ihren Bann, die Sonne glitzert und spiegelt sich im Meer, andere Verkehrsteilnehmer sind selbst hier im dicht besiedelten Südschweden eher selten anzutreffen und ich muss schon gehörig aufpassen, mich beim Fahren nicht ganz wegzuträumen. Aber das verhindert gerade meine Sozia: „Kaffeedurst!“ tönt es unmissverständlich mitten in meinen Traum hinein und so fahre ich in den kleinen Ort Kristianopel. Hier am Hafen befindet sich ein gemütliches Cafe und schon wieder sitzen wir in der Sonne und schauen aufs Meer. Allein der Bananenkuchen ist ein Grund, hier einmal wieder einzukehren.

verwunschenes Haus
Verwunschenes Haus in Kristianopel

Nach der Ruhe und Beschaulichkeit der letzten Tage ist die Stadt Kalmar schon beinahe ein Kulturschock. Kalmar ist das Sprungbrett nach Öland, von hier führt eine Brücke auf die Insel. Aber auch die quirlige Stadt selbst ist sehenswert. Neben dem trutzigen Schloss lädt die Stadt mit ihren vielen Geschäften zum Bummel ein und abends locken diverse Restaurants und Kneipen zur Einkehr.

Kalmar Schloss
Das Schloss in Kalmar

Am nächsten Morgen fahren wir über die Brücke nach Öland, um die Insel zu umrunden. Über dem Meer hat sich eine Nebelbank gebildet, diese Stimmung mutet geradezu schottisch an. Auf Öland fallen zunächst die nahezu unzähligen Windmühlen aller Art und Größe auf, die über das ganze Land verteilt sind. Außerdem ist die Insel von kilometerlangen Natursteinmauern durchzogen, die die einzelnen Weidegründe voneinander abgrenzen. Wer baden möchte, findet hier die Gelegenheit dazu und wer wirklich Erholung braucht, sollte hier einmal ein paar Tage verbringen und die Zeit vergessen. Auch wir haben die Zeit vergessen und stehen vor der verschlossenen Rezeption des Campingplatzes. Doch die Schweden vertrauen ihren Mitmenschen und so hängt ein Zettel mit dem Pin-Code, der den Zutritt zu den Waschhäusern und Toiletten ermöglicht, am schwarzen Brett. Sich anmelden und bezahlen kann man auch bei der Abreise, Vertrauen gegen Vertrauen

 
   Öland
Pause auf Öland

Kurs West ist die neue Richtung. Wir verlassen Öland und die ostschwedische Küste, um uns auch das Binnenland zu „erfahren“. Nach wenigen Minuten weicht der salzige Geruch des Meeres einem anderen Aroma- Erdbeeren. Erdbeerfelder bis zum Horizont strömen ein unnachahmliches Aroma aus, ich habe noch nie solch riesige Felder gesehen. Das macht natürlich Appetit und so steuern wir einen der zahlreichen Verkaufsstände direkt an den Feldern an. In olympiaverdächtiger Geschwindigkeit verschwinden die prallen, roten Früchte in unseren Mägen und uns geht es gut. Was machen die Schweden eigentlich mit diesen Unmengen von Erdbeeren? Die Antwort ist ganz einfach: Sie essen sie. In den Supermärkten findet man neben den auch uns bekannten Marmeladengläsern auch Regale voller 5 Liter Eimer mit Erdbeermarmelade. Für mich als absolutem Erdbeerfan ist das hier das Paradies.

        Erdbeeren

Langsam wandelt sich das Landschaftsbild, die Felder weichen den Wäldern. Die Ruhe und Beschaulichkeit nimmt wieder Überhand, auf manchen Landstraßen fühlt man sich nahezu einsam. Alle paar Kilometer findet sich eine Ansammlung von Briefkästen an einer Weggabelung oder einer Haltebucht, ein Zeichen dafür, dass hier abseits der Straße in den Wäldern noch Menschen wohnen. Bei einem Blick auf die Landkarte im Tankrucksack bemerke ich, dass die gelbe Kontrollleuchte mit der stilisierten Zapfsäule schön hell vor sich hin leuchtet. Da ich den Tages-Kilometerzähler auch als solchen nutze, das heißt, morgens immer wieder auf Null stelle, weiß ich auch nicht wie viele km  wir mit dieser Tankfüllung schon zurückgelegt haben. Nun, wir haben Glück. Ein paar Kilometer weiter bei einer Ansammlung von einigen wenigen Häusern, findet sich eine Zapfsäule. Mehr ist es allerdings auch nicht, man braucht entweder eine Kreditkarte mit PIN oder kleinere Geldscheine, um hier Treibstoff zu bekommen. Allgemein ist es in Schweden so, dass Tankstellen mit Personal immer seltener werden, selbst in größeren Ortschaften findet man manchmal nur Automaten.

Würde man in Deutschland Menschen auf der Srtraße fragen, was ihnen zu "Schweden" eifällt, würden vermutlich acht von zehn Personen die Elche erwähnen. Und tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man auf einer Südschweden-Tour diese Tiere zu Gesicht bekommt. Die Elche vermehren sich dermaßen stark, dass alle Jahre wieder eine große Anzahl zu Abschuss freigegeben werden muss, damit die Tiere nichr in die Ortschaften und Städte einfallen. Aufgrund des Fehlens natürlicher Feinde wie Wölfe und Bären ist die Jagd die einzige Möglichkeit, die Population im Rahmen zu halten.

         Elchkuh

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit einem Elch in freier Wildbahn. Das ist wohl nun schon bald zwanzig Jahre her und wir waren auf einer Motorradtour durch Norwegen. Kurz hinter einer Ortsdurchfahrt stand ein riesiges Tier am Straßenrand und ich dachte noch: „Was für ein hässliches Pferd!“ Bis ich registriert hatte, dass es sich bei diesem Pferd um eine Elchkuh handelte, war das Tier auch schon im Wald verschwunden. Ich hatte keine Chance auch nur an den Fotoapparat zu denken. Heute haben wir mehr Glück.

Wir sind zu Fuß unterwegs und eine Elchkuh präsentiert uns ihre beiden Jungen.

         Elchkuh
         Nachwuchs

Auf der Fahrt durch die Wälder Smålands trifft man immer wieder auf Glasbläsereien, hier ist das so genannt Glasreich Schwedens. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn man nichts kaufen möchte. Allein die Herstellung oder die verschiedenen Ausstellungen von Kunst- und Gebrauchsgegenständen sind sehenswert. Wir nähern uns der Stadt Växjö. Hier gibt es im Dom einen gläsernen Altar zu bestaunen, den der bekannte Künstler Bertil Vallin geschaffen hat.

Smaland

Das Seengebiet des Åsnen ist unser nächstes Ziel. Hier erlebt man Schweden aus dem Bilderbuch: Seen, Wälder, malerische, fast schon kitschige Sonnenuntergänge und „Postkartenmotive“ überall. Für die Camper unter uns Motorrad-Touristen empfehlen wir den Natur-Campingplatz Getnö-Gård, mitten im Seengebiet des Åsnen gelegen. Neben der Atem beraubenden Landschaft erlebt man allerdings auch die Mücken hautnah. Man ist hier übrigens nicht auf das Zelt angewiesen. Wir verbringen eine knappe Woche in einer komfortablen Hütte.

          Smaland

Wir nähern uns dem Anfangs- und Endpunkt unserer Tour: Trelleborg. Noch einmal erleben wir eine ruhige Überfahrt mit der Nils Holgersson. Die See ist spiegelglatt und der Sternenhimmel ist unglaublich klar. Regina und ich sind uns einig: So eine Sommertour durch Südschweden mit Erdbeeren und Elchen ist Erholung pur. Das Unwetter am ersten Reisetag, übrigens der einzige Regentag auf der gesamten Runde, haben wir vergessen und auch unsere Aprilia sieht jetzt richtig zufrieden aus.

          Sonnenuntergang
 
Im Internet findet man unendlich viel Wissenswertes zu Schweden. Wir fanden unsere Informationen bei www.visitsweden.com .
 
         Aprilia
Unser Motorrad, eine Aprilia ETV 1000 Caponord hat uns brav und pannenfrei durch Schweden gebracht, doch manchmal kommt man doch in Versuchung zu tauschen.....
        Buckelvolvo