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TEST:

KTM Adventure

Welch ein Brummer! Ehrfurchteinflößend thront die KTM 990 Adventure auf ihrem Hauptständer, strahlt mit ihrem orangefarbenen Kunststoffkleidchen mit der Sonne um die Wette und scheint nur auf den mutigen Reiter zu warten.

 
Okay, dann mal los. Andächtig schiebe ich die Fuhre von ihrem Bock. Geht leicht, kein Problem. Das rechte Bein schwungvoll über das Heck, genussvoll setzen und dann ... einfach wohlfühlen. Alles passt. Der Alulenker von Magura, nicht zu breit, nicht zu schmal. Die Sitzbank, 86 Zentimeter hoch, überzeugt. Nichts ist mit Endurotypisch bretthart, sie ist einfach bequem. Ich drehe den Schlüssel, werfe den Zweizylinder an. Kehliges Grummeln ertönt unter mir, klingt gut. Also dann, ersten Gang rein. "Klonk", mit der akustischen Rückmeldung lässt es sich gut leben. Kupplung kommen lassen und schon geht die Fuhre los.
 


 

Toll, denke ich, fühle mich auf der Adventure gleich wohl und wie zu Hause. Eines gleich vorweg - leicht fiel es uns nicht, die Adventure nach 4000 Kilometern kreuz und quer durch Frankreich wieder zurückzugeben. Da hat KTM ein wirklich feines Stück auf die Reifen gestellt. Eine richtig sportliche Groß-Enduro, die diese Bezeichnung auch verdient hat. Dennoch absolut langstrecken- und alltagstauglich.

 

 

 

Die bequeme, entspannte Sitzposition lässt problemlos lange Etappen zu. Die Sitzbank, bereits im letzten Modelljahr des Vorgängermodells überarbeitet, ist vom Feinsten. Auch Kiki, die beste Sozia der Welt, ist von ihrem Stammplatz begeistert. Vom ersten Moment an bietet die große KTM Spaß pur. Der kräftige, über das ganze Drehzahlband ordentlich schiebende Motor sprang auch nach nasskalter Pyrenäennacht dank elektronischer Einspritzung perfekt an.

 

 


Er ist der Super Duke entliehen, zugunsten des kräftigeren Drehmoments auf 98 PS gezähmt. So mächtig die Adventure auch wirkt, auf der Straße ist sie die personifizierte Handlichkeit. Wenden auf schmaler Straße? Bitte sehr! Mal schnell ums Eck? Klar doch! Kurven sind das Metier dieser Reise-Enduro. Willig gehorcht das Zweirad seinem Herrn und liegt dank der hochwertigen Whitepower-Elemente perfekt auf der Strecke. Auch die schnelle Autobahnhatz auf dem Weg in den Süden ist kein Problem. Weder die breiten Alukoffer noch tückische Längsrillen bringen die KTM zum Pendeln.


 


Und bremsen lässt sich die Fuhre dank des gut funktionierenden Brembo-ABS, als werfe man einen Anker. Mit dem umfangreichen KTM-Zubehör-Angebot lässt sich die Adventure für alle Lebenslagen aufrüsten. Sturzbügel, Koffer, Titanauspuff und vieles mehr stehen zur Auswahl. Für Überraschung beim Tankwart sorgen die zwei separaten Tankdeckel. Rund 22 Liter Super Bleifrei gurgeln in die beiden Tankhälften, die zwar getrennt, aber durch einen Ausgleichsschlauch verbunden sind.


 


Dazwischen deponiert der Pilot seine Zigaretten und die Sonnenbrille in einem praktischen Staufach. Die Spritmenge reicht, je nach Fahrstil und Zuladung für gut 300 Kilometer, auch wenn die Warnlampe schon mal nach 200 Kilometern aufmuckt. Apropos Warnlampe - die übersichtlichen, gut ablesbaren Instrumente haben uns gut gefallen. Der analoge Drehzahlmesser beherrscht das Cockpit, der "Multifunktions-Digitaltachometer" (O-Ton KTM) bietet über das Notwendige hinaus zwei Tageskilometerzähler, Uhr und Kühlflüssigkeits-Temperaturanzeige.


 


Für das grobe Gelände lässt sich übrigens auch per Cockpit-Knopfdruck das ABS abschalten. Alle Bedienungselemente sind gut erreichbar, einen Schalter fürs Licht sucht man vergebens. Die beiden Kraftstoffhähne der KTM bleiben grundsätzlich immer auf, die müssen nur zum Abnehmen des Tanks geschlossen werden. Experimentierfreudigen seien noch die zahlreichen Einstellmöglichkeiten des Fahrwerks ans Herz gelegt. Die Druck- und Zugstufendämpfung der Gabel und deren Federvorspannung lassen sich ebenso variieren wie die des Federbeins. Ob es auch etwas zu bemängeln gibt an der KTM? Na ja, der Seitenständer könnte etwas kürzer sein, damit die Fuhre stabiler steht. Aber was soll's, wer will schon stehen mit der KTM?

 

 


Motor:
Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakter-75-Grad-V-Twin mit einem Hubraum von 999 Kubikzentimeter, Druckumlaufschmierung, 4 Ventile/DOHC, Bohrung/Hub 101/62,4 mm, Verdichtung 11,5:1, Elektronische Einspritzung, Leistung 72 kW (98 PS) bei 8.500 U/min, Maximales Drehmoment 95 Nm bei 6.500 U/min


 


Kraftübertragung:
Sechsgang-Getriebe, Primärantrieb Zahnrad, Sekundärantrieb X-Ring-Kette

Bremsen:
Vorne: 2 x Brembo Zweikolbenschwimmsattel, Bremsscheibe 300 mm, schwimmend. Hinten: Brembo Zweikolbenschwimmsattel, Bremsscheibe 240 mm, schwimmend, Brembo Zweikanal-ABS

Fahrwerksdaten:
Chrom-Molybdän-Gitterrohrrahmen, pulverbeschichtet, Rahmenheck aus Aluminium. Vorne: Upside-Down-Teleskopgabel (48 mm), WP-USD, Federweg 210 mm. Hinten: WP-PDS Federbein mit hydraulischer Federvorspannung, Federweg 210 mm.


 


Räder:
Felge vorne 2,15 x 21, Bereifung vorne 90/90 R21. Felge hinten 4,25 x 18, Bereifung vorne 150/70 R18. Maße und Gewichte Sitzhöhe (Fahrer) 860 mm, Radstand 1.570 mm, Nachlauf 119 mm, Lenkkopfwinkel 63,4°,

Tankinhalt ca. 22 Liter, Trockengewicht (ohne ABS) 199 kg, zulässiges Gesamtgewicht 430 kg Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,4 Sekunden, Kraftstoffverbrauch im Test zwischen 6 und 7 l/100 km. Farben Orange / Black Preis ab 12.598,- Euro inkl. 16 % MWSt. (Deutschland)