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TEST:

MZ 1000S mit Kettenschmiersystem CLS


Text: Heiko Höbelt
Bilder: René Degelmann/Freigabe CLS


Nach jahrelanger Nutzung von PS- und hubraumstarken Vierzylindern, kam ich zur Überzeugung, dass es Zeit für einen großvolumiger Zweizylinder ist. Ganz nach dem Motto: zwei Zylinder sind genug.... Da stellte sich nun die Frage, was soll es werden? BMW scheidet von vorneherein aus, da mit Kardan versehen und daher zum Testen von Kettenschmiersystemen denkbar ungeeignet.



Außerdem bin ich schon immer auf Kettenmotorräder fixiert und somit scheidet für mich eine Sekundäratrieb mit Kardan von vornherein aus. Japaner hatte ich schon immer gefahren, die haben meiner Meinung nach  - zumindest bei den Zweizylindern - zu wenig, na, nennen wir es Seele. Bleiben eigentlich nur noch sportliche italienische Zweizylinder, oder? Da war doch noch ein interessantes Motorrad, eines dass ich eigentlich im Jahre 2002 schon haben wollte, welches aber wegen Entwicklungsprobleme damals nicht zu kaufen war. Die Rede ist von der MZ 1000S.



Meine erste Probefahrt auf der Kiloemme im Frühjahr 2005 hatte mich eigentlich nicht völlig überzeugt. Das Motorrad konnte mich in einem Punkt nicht begeistern, der Motorlauf bei niedrigen Drehzahlen. Der Motor lief meinem Empfinden nach auch für einen Zweizylinder zu ruppig und in niedrigen Drehzahlen war das Rupfen des Motors an der Kette meiner Meinung nach eigentlich eine Katastrophe. Der Rest des Motorrades allerdings war und ist spitze. Das Motorrad hat wirklich Charakter und recht exklusiv ist man damit auch unterwegs. Außerdem war bei meiner ersten Probefahrt der Motorlauf über 3500 U/Min ja völlig ok. Die Bremsen (serienmäßig mit Stahlflex ausgerüstet) sind erstklassig zu dosieren und haben richtig Biss.



Das voll einstellbare Fahrwerk überzeugt völlig, selbst im Rennstreckeneinsatz zeigt es keine Schwächen. Das Federbein von Sachs ist übrigens nicht über Umlenkhebel sondern direkt mit der Schwinge verbunden. Die Up-Side-Down Gabel stammt von Mazzochi aus Italien und ist ein wahres Schmuckstück - und das nicht nur optisch. Überhaupt ist das ganze Motorrad mit vielen liebevollen Details versehen. Sehr sauber Schweißnähte, der ausgefallene Stahlrahmen, die edle Gabelbrücke gehören zu einer durch und durch gelungenem Konzept.

Die MZ ist so konstruiert um Wartungsarbeiten möglicht einfach zu gestalten. Die Sitzbank lässt sich in sekundenschnelle entfernen, der Tank durch das Lösen zweier Schrauben ruck zuck hochklappen und schon ist man am Motor, dem Lufikasten und der Batterie. Einen großen, oft nicht erwähnten Pluspunkt hat die MZ auch noch. Sie ist günstig im Unterhalt. Die Durchsichten sind für kleines Geld erledigt. Da kommt die gute, durchdachte Konstruktion zum Tragen. Es ist möglich mit wenigen Handgriffen schnell an die entsprechenden Teile zu gelangen. Auch bei den Ersatzteilpreisen muss man nicht all zu tief in die Tasche greifen. Und so habe ich die Probefahrt im Herbst 2005 auf einer MZ mit dem neusten Mapping wiederholt. Siehe da, MZ hat seine Hausaufgaben gemacht. Das ruppige Hacken bei Drehzahlen unter 3500 U/Min war verschwunden. Jetzt ließ sich die MZ ab 2500 U/Min bewegen ohne, dass man durchgeschüttelt wurde. Warum nicht gleich so, also her mit dem Teil.



Das Angebot an der 1000er MZ ist gut und so habe ich günstig einen mit neuem Mapping aktualisierten 2004er Vorführer mit nur 2400 km erstanden. Die erste Aufrüstaktion was natürlich ein CLS Speed Kettenschmiersystem und ein CLS Heat Heizgriffsystem, schließlich ist die MZ das offizielle CLS Testmotorrad. Um die Laufkultur noch zu verfeinern kam erst mal ein 16er Ritzel anstelle des dort noch verbauten 17er Teils ran (mittlerweile ist das 16er Ritzel Serienausstattung) und hinten ein Stealth-Kettenrad mit 45 Zähnen. Das Stealth-Kettenrad macht optisch was her und ist dazu auch noch schön leicht.

Die nicht ganz so hochwertige Originalkette von Regina wurde durch eine Enuma ZZZ-Kette getauscht, der stärksten Kette die es im Moment gibt, im Verbund mit dem CLS Kettenöler dürfte der Antrieb so locker 60-70 000 km durchhalten. Das die Emme mit der 16/45 Übersetzung nicht mehr schneller als 250 läuft, ist eh nicht relevant, die Beschleunigung des Reihenzweiers dagegen macht einen wahrlich süchtig. Der nächste Schritt der Optimierung war der Auspuff. Ich war eigentlich nie ein Verfechter von Zubehörauspuffanlagen, die Meisten Pötte bringen oft außer einem besseren Sound nur einen Leistungseinbruch und schlechtere Drehmomentwerte. Allerdings hat mich die 2 in 2 Anlage von SR-Racing doch überzeugt. Sie sorgt für spürbar mehr Drehmoment und ein besseres Ansprechverhalten des Motors. Aus optischen Gründen habe ich mich gegen die 2 in 1 Anlage entschieden. Das obwohl sie noch etwas mehr Power beschert hätte, und 9 kg leichter als die Originalanlage ist.



Beim Tausch der Töpfe fragt man sich warum die SR Tüten so viel leichter sind als die original Teile. Pro Topf macht das bei der 2 in 2 Anlage 3 kg an Gewichtsersparnis aus. Als netter Nebeneffekt wird noch ein gigantischer Sound dazugeliefert. Das dumpfe Bollern im Standgas geht in ein brachiales Donnern über, sobald man etwas am Hahn dreht. Schon original hat die MZ für den Straßenbetrieb eigentlich genug Leistung. Die 117 PS und 95 Nm Drehmoment mögen für so manchen theoretisch nach zu wenig klingen.

In der Praxis reicht das aber völlig aus. Mit der SR Anlage wird das Drehmoment von 95 auf 100,5 Nm angehoben und die Drehmomentkurve verläuft etwas günstiger. Die Spitzenleistung kletterte kaum erwähnenswert von 117 auf 118 PS Nun kamen noch Sturzpads von LSL an die Emme und auf nach Oschersleben zum Renntraining. Nach dem Einsatz auf der Rennstrecke habe ich mir dann doch Gedanken gemacht wie man dem eigentlich für deutlich mehr Leistung ausgelegtem Motor noch etwas Kraft entlocken kann ohne den Zylinderkopf überarbeiten zu lassen.

So kam ich auf die Firma Werthmüller aus Eschborn-Locherhof. Herr Werthmüller hat sich sehr mit der 1000er beschäftigt und ein Mapping entwickelt, dass das Laufverhalten noch weiter kuliviert und die Kraftentfaltung deutlich optimiert. Damit man die Auswirkungen des Mappings auch in vollen Zügen genießen kann empfiehlt es sich dringend ein paar kleine aber entscheidende Veränderungen, bzw. Feinarbeiten ausführen zu lassen. Entweder auch bei Werthmüller, oder wie ich bei der Firma Faber in Zell an der Mosel. Herr Faber hat sich ebenfalls sehr intensiv mit der 1000er auseinandergesetzt und arbeitet mit Herrn Werthmüller zusammen. Bei einem halben Tag in der Werkstatt hat mir Herr Faber so einige kleine Detailänderungen gezeigt die in der Summe noch deutlich mehr Spass mit der MZ brachten.



Angefangen hat er mit der optimalen Verlegung des Gaszuges, der im Originalzustand Wasser sammeln kann und damit fest rostet. Ein Problem, dass bei meinem Motorrad nach etwa 10 000 km aufgetreten war uns sich dadurch bemerkbar machte, dass das Standgas bei. ca. 2000 U/Min hing und nicht mehr bis auf die üblichen 1500 U/Min zurückging. Der nächste Punkt ist die Feineinstellung der Drosselklappen. Die exakte Kalibrierung der Klappen hatte zusammen mit dem Werthmüller-Mapping dazu geführt, dass die CLS MZ nun in den ersten drei Gängen ab 1500 U/Min und in den letzen drei Gängen ab 2100 U/Min ruckelfrei läuft. Was will man mehr? Zusätzlich ist durch die perfekte Abstimmung nun das Gemisch im linken und rechten Zylinder gleich und ein guter Teil des Motorschüttelns sind gewichen ohne, dass der Charakter des Zweizylinders Schaden genommen hätte.

Bei der Gelegenheit hat Herr Faber gleich noch den Ansaugtrakt exakt ausgerichtet, also die Überhänge im Ansaugkanal der Einspritzung beseitigt. Dadurch kann das Kraftstoff-Luftgemisch optimal in den Brennraum strömen. Dann wurde eine Kunststoffplatte als Wärmeschutz und Schmutzabweiser um den Luftfilterkasten gebaut. Das bewirkt, dass die MZ nun durch den offenen Luftfilterkasten kühlere und damit sauerstoffreichere Luft atmet und es kommt deutlich weniger Schmutz und Regenwasser an die beweglichen Teile der Einspritzanlage und den Lufteinlass des Luftfilters. Das Ergebnis all dieser Kleinigkeiten sind auf dem Papier 123,5 PS und 113 Nm Drehmoment. In der Praxis hat man die eh schon suchtgefährdete MZ in ein absolutes Suchtobjekt verwandelt. Um den Druck, den der Motor entfaltet mal aufs Papier zu bringen folgendes.



Ab etwa 4300 U/Min liegen immer mindestens 100 Nm Drehmoment an, dass sind immer etwa 15-20 Nm mehr als im Serienzustand, sagenhaft. Das Motorrad zieht aus dem Drehzahlkeller sauber und mit brachialer Kraft, wobei der Spritverbrauch bei flotter Fahrweise mit etwa 6-7 Litern im Rahmen bleibt. Nachdem der gut haftende aber auch sehr verschleißfreudige Satz Metzeler Sportec M1 nach nur 2 000 km abgefahren war wurden Michelin Pilot Power aufgezogen. Das verbesserte das Fahrverhalten noch weiter.

Der Reifen klebt auf der Straße wie Kaugummi an der Sohle und hält auch bei zügiger Fahrweise etwa 4000-5000 km. Durch ein paar kleine Veränderungen wurde aus dem im Original schon sehr guten Zweizylindermotorrad MZ 1000S ein absolutes Spassfahzeug gemacht, welches ich wohl nicht mehr aus der Hand geben werde. Mein Fazit: Die 1000er MZ ist wohl ein zu unrecht verschmähtes Charakter-Motorrad mit dem man sich auch von der Masse deutlich abhebt. Mich jedenfalls hat die Kiloemme völlig überzeugt und begeistert.



Bezugsquellen für Umbau und Teile:

Firma Faber Motorradtechnik Gewerbegebiet-Barl 48 D- 56856 Zell/Mosel Tel. 06542 / 5184
www.ktm-faber.de

Firma Werthmüller Motorrad Technik Gewerbegebiet Geigenrain 7 D- 78664 Eschbronn-Locherhof Telefon 07403 914622
www.werth-motorrad.de

Firma CLS-Chain Lube Systems Heiko Höbelt e.K. Unterer Maasweg 3 D- 96484 Meeder Tel.: 09566/808434
www.cls200.de